AUDIOINTERFACE

Antelope Audio ZenStudio

Antelope  Audio - Zen Studio

Audio Interface mit insgesamt 38 Eingangs- und 32 Ausgangskanälen

Mit dem Zen Studio veröffentlicht Antilope Audio, eine Firma, die bisher bevorzugt im Bereich von High-End-Wandlern und Taktgeneratoren glänzen konnte, ein äußerst kompaktes Audio-Interface, das eine beeindruckende Anzahl von Verbindungen bei relativ geringem Platzbedarf bietet.

Wir haben uns des mobilen Boliden für einen Test angenommen.




Grundausstattung

Um sich zunächst mal einen Überblick über die Funktionen des Multitalents zu schaffen, müssen kurz die Basisfeatures näher erläutert werden. Das Zen Studio ist mit insgesamt 38 Eingängen und 32 Ausgängen ausgestattet. Hier muss allerdings direkt erwähnt werden, dass viele dieser Verbindungen digitaler Natur sind und durch die USB-Verbindung auch „nur“ 24 Ein-, sowie Ausgänge davon gleichzeitig nutzbar sind.

Diese Masse an I/O setzt sich wie folgt zusammen: Es gibt 12 analoge Mikrofoneingänge mitsamt Vorverstärkung über XLR-Klinke-Combo-Buchsen. Vier dieser Eingänge befinden sich auf der Frontseite. Diese unterstützen neben Mikrofon- und Line-Pegeln zudem Instrumenten-Level. Bei den restlichen acht Eingängen auf der Rückseite muss sich der Nutzer ohne Hi-Z-Feature begnügen, was allerdings kein Problem darstellen sollte. Auf Seiten der analogen Eingänge kommen zusätzlich noch acht Line-Eingänge samt eigener Wandlung über D-Sub25 hinzu. Somit sind die ersten 20 Eingänge erläutert, verbleiben noch 18 digitale Eingänge. Diese teilen sich auf 2 x 8 Eingänge über ADAT, sowie 2 Eingänge über S/PDIF auf.



Hier noch mal eine kurze Zusammenfassung der gebotenen Eingänge, falls jemand den Überblick verloren hat:

- 12 Mikrofoneingänge (XLR/Klinke) -   8 Lineeingänge (D-Sub25) - 16 digitale Eingänge (ADAT) -   2 digitale Eingänge (S/PDIF)

Ausgangsseitig liegt eine ähnliche Verteilung vor. Insgesamt kommt das Zen Studio auf 32 Ausgänge. Auf analoger Seite gibt es hier ebenfalls 8 Ausgänge über D-Sub25, zwei Monitor-Ausgänge, sowie vier Kopfhörer-Wege (zwei x Stereo), von denen sich beide auf der Vorderseite befinden. Diese werden durch 16 digitale ADAT- und 2 digitale S/PDIF-Ausgänge ergänzt, was die Gesamtanzahl von 32 Ausgängen ergibt.

Um Hardware-Effekte einschleifen zu können, verfügt das Zen Studio zusätzlich über zwei Inserts, die per Y-Kabel auf der Rückseite angeschlossen werden können.

Diese für Audiosignale nutzbaren I/O’s werden zusätzlich durch ein paar Wordclock I/O, sowie den USB Typ-A- und einen Stromanschluss komplettiert.

Was auf den ersten Blick verwunderlich wirkt, ist die Platzierung der ADAT-Schnittstellen, die weder auf der Vorder-, noch auf der Rückseite zu finden sind, sondern sich seitlich am Interface befinden. Dies betont den Anspruch des Zen Studio, als mobiles Interface fungieren zu wollen, da sich eine Rackmontage somit schwierig bis unmöglich gestaltet, sofern man die ADAT-I/O nutzen möchte. Sehr gefährdet positioniert sind dadurch leider die ADAT-Schutzstecker, welche die Schnittstellen schützen sollen. Sie befinden sich ihrerseits recht ungeschützt an der Seite des Gerätes und man muss Vorsicht walten lassen, damit man diese nicht versehentlich abstößt.

Ein weiteres Argument für die Mobilität ist der Tragegriff, welcher sich an der anderen Seite des Interfaces befindet.

Haptisch ist das Zen Studio ordentlich verarbeitet. Die Vorderseite besteht aus matt gebürstetem Aluminium, welches schön mit dem sauber eingearbeitetem LCD-Display harmoniert. Der Rest des Gehäuses ist in rot lackiert. Hier wirkt alles durchdacht und ordentlich ausgeführt, lediglich die kleinen Druckknöpfe auf der Vorderseite könnten für meinen Geschmack etwas stabiler befestigt sein.




Display

Rund um das Display befinden sich drei kleine Druckknöpfe, sowie ein größerer Endlos-Encoder, der ebenfalls über eine Druckfunktion verfügt. Der linke Button schaltet das Gerät vom Standby in den Betriebsmodus. Sogleich wird auf dem Display eine Ansicht der Meter der ersten 32 I/O angezeigt. Die Anzeige fällt hier sehr angenehm aus, trotz der vielen Meter kann man die separaten Pegel gut erkennen. Der Endlos-Encoder ist für die Kontrolle aller Lautstärken zuständig. Per Knopfdruck wählt man hierbei die zu steuernde Quelle aus (Monitor, HP1, HP2), dann kann die jeweilige Lautstärke per Drehung angepasst werden. Mit den beiden Druckknöpfen auf der rechten Seite lässt sich nun zwischen verschiedenen Display-Ansichten umschalten. Die erste, auf die Meter-Ansicht folgende „Seite“ gibt einen Überblick über die wichtigsten Grundfunktionen. Hier kann man den Status der Taktung (interner Quarzoszillator, externe Taktung), die gewählte Samplerate (44.1 bis 192 kHz), sowie die Zustände, bzw. Lautstärken der einzelnen Ausgänge (Monitor, HP 1&2, jeweils Mute/-96dB bis 0 dB) ablesen.

Auf den folgenden Seiten wird die Vorverstärkung der 12 Mikrofonvorverstärker angezeigt. Sämtliche Einstellungen, bis auf die Ausgabelautstärke müssen also in der Software getroffen werden.


Software

Die Installation der Software gestaltet sich unkompliziert. Direkt nach der Installation wird automatisch auf die aktuelle Firmware geupdated, was sehr angenehm ist und dem User unnötige Beschäftigung mit Firmware-Versionen erspart. Unmittelbar nach Start der Software öffnet sich ein Fenster mit verschiedensten Einstellungs- und Routingmöglichkeiten.

In der oberen Zeile der Software lassen sich die wichtigsten Grundeinstellungen, wie Monitor-, sowie HP-Lautstärken anpassen, die Clock-Source, sowie die Sample-Rate bestimmen. Zudem lässt sich das Gerät in der oberen linken Ecke der Software abschalten. Auf der rechten Seite lässt sich zudem die Helligkeit des LCD-Displays anpassen.

Die folgende Zeile beinhaltet die Vorverstärkungs- und Kanaleinstellungen. Zunächst lässt sich auf der linken Seite wählen, welche der I/O’s gesteuert werden sollen. Hier kann der Nutzer also zwischen Mikrofon-, Line-, ADAT-, und S/PDIF-Kanälen wählen und diese jeweils einzeln anpassen. Das gestaltet sich sehr intuitiv und ist sehr komfortabel, zumal die Eingangslautstärkenkontrolle aller Kanäle abseits von Mikrofonkanälen bei vielen Interfaces meist komplett fehlt. Die Vorverstärkung lässt sich in jedem Kanal mittels eines animierten Drehreglers anpassen. Zudem lassen sich benachbarte Kanäle zu einem Stereokanal paaren, bzw. linken. Diese Features treffen auf alle Kanäle zu, lediglich die Mikrofonkanäle haben noch mehr Einstellungsmöglichkeiten. Hier kann neben der Vorverstärkung an sich noch eine pro Kanal unabhängige Phantomspeisung zugeschaltet werden, die Phase kann gedreht werden und die Impedanz des Kanals kann zwischen Mikrofon-, Line- und Instrumentenpegel (Kanal 1-4) variiert werden. Eine sehr übersichtliche und leicht zu bedienende Sektion!

Unter der Vorverstärkungssektion lässt sich zwischen verschiedenen Möglichkeiten umschalten, was im „Hauptfenster“ der Software angezeigt werden soll. Folgend wird näher auf die einzelnen Optionen eingegangen. 



Routing

Das Routing-Fenster stellt den Dreh- und Angelpunkt des Zen Studio dar. Hier lassen sich alle Eingangskanäle, sowie interne Mixing-Busse auf alle verfügbaren Ausgänge routen. Dies geschieht einfach per Drag&Drop. Damit man hier nicht den Überblick verliert, sind alle verschiedenen Kanaltypen mit unterschiedlichen Farben codiert, sodass man hier rein optisch schnell nachvollziehen kann, welcher Kanal wohin führt. Sehr angenehm ist die Flexibilität, die sich durch dieses Routing-Menü ergibt. So können mit dem Zen Studio als Herzstück eines Studio-Setups alle Signale schnell an die entsprechenden Peripherie-Geräte verteilt werden. Für den Fall, dass man sich sein Setup verbastelt hat, gibt es eine Undo-Möglichkeit, sowie eine Safe und Recall-Option für das gesamte Routing.




Mixer

Die Mixer-Ansicht bietet vier verschiedene 24-kanalige Mixer. Hier kann man beliebige Mischungen erstellen und weiter verteilen. Die genaue Zuweisung funktioniert auch hier wieder über das Routing-Menü. Innerhalb dessen können einerseits die 24 Kanäle beliebig zusammengestellt und belegt werden, andererseits kann die Stereosumme des jeweiligen Mixers auf beliebige Ausgänge gerouted werden.

AFX

Im AFX-Menü hat man zugriff auf 16 separate Mono-DSP-Effektketten. Diese Ketten umfassen jeweils einen parametrischen 5-Band-EQ, sowie eine Kompressor-Sektion. Die Zuweisung der Signale, welche durch die jeweiligen Effektkanäle bearbeitet werden sollen, findet ebenfalls im Routing-Menü statt.

Meters

Im Meters-Menü lassen sich die Pegel verschiedener Spuren noch mals in größerer Ansicht in der Software darstellen.

Options

Hier werden verschiedene Ausgangspegel und sonstige Einstellungen getroffen.

Presets

Unter Presets 1-5 lassen sich häufig verwendete Setups komplett abspeichern und wieder abrufen. Diese Funktion ist sehr zu empfehlen, wenn man häufig mit gleicher Belegung und Festverkabelung arbeitet.

 



Praxis und Klang

Selbstverständlich wollen wir die oben genannten Features, insbesondere die Vorverstärker des gut ausgestatteten Interfaces, jetzt auch in der Praxis testen und haben hierfür ein Recording durchgeführt. In der Praxis erweist sich die Software-Oberfläche als äußerst nützlich. Sämtliche notwendigen Einstellungen sind schnell getroffen und so kann es zügig los gehen. Der Klang des Zen Studio ist, wie man es von Antilope gewohnt ist, sehr sauber. Die Preamps haben genug kraft, auch schwächere Mikrofonpegel ausreichend anheben zu können und klingen dabei stets sehr neutral. Somit kann man hier die Färbung mancher Mikrofone sehr gut erkennen. Auch die Wandlung des Zen Studio klingt sehr anständig. Wiedergegebene Aufnahmen klingen hoch aufgelöst und detailreich. Was allerdings der auf der Internet-Seite so angepriesene „Signature Antelope Sound“ sein soll, erschließt sich mir nicht wirklich. Nichts desto trotz hat man hier nichts zu meckern. Es gibt mit Sicherheit bessere Vorverstärker und Wandler, allerdings schwerlich in vergleichbarer Anzahl auf 1HE zu finden. Das Zen Studio macht seine Arbeit technisch sehr gut und sauber. Hier gibt es nichts zu beanstanden.




Fazit

Mit dem Zen Studio schickt Antilope Audio einen echten Boliden unter den Interfaces ins Rennen. Viele tolle Features und eine weite Palette an Verbindungsmöglichkeiten machen das Interface zu einem soliden Zentrum für kleinere Studio-Setups. Vor allem die 12 Mikrofonvorverstärker wissen bei einem Platzbedarf von nur 1HE voll zu überzeugen, verfügen doch vergleichbare Interfaces oftmals nur über 8 Mikrofonkanäle. Auch die Software erweist sich als intuitiv und praktisch im alltäglichen Gebrauch.

Für den Preis von 2130.-€ erhält der Nutzer hier ein Gerät mit Top Vorverstärkern, guten Wandlern, einer guten Taktung, sowie vielen zusätzlichen Anschlussmöglichkeiten. Für kleine bis mittlere Studios ist damit eigentlich alles in 1HE verstaut, was für 90% der Jobs benötigt wird.




Antelope Zen Studio

12 Mic/Line-In’s (XLR/Klinke), 4 davon Hi-Z

8 Line-In’s/Out’s (D-Sub25)

2x8 ADAT I/O (optisch)

1x S/PDIF I/O (koaxial)

1x Monitor-Output (Klinke)

2x HP-Output (6,3mm Klinke)

1x Wordclock I/O (BNC)

Dazugehörige Software-Oberfläche

Iternes Routing 4 x interne DSP-Mixer 16 x interne DSP-Effektsektion

UVP: 2130.-€

www.antelopeaudio.com