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Focusrite Liquid Saffire 56

Focusrite Liquid Saffire 56

 

 

 

 


Das Highlight trägt das Gerät schon im Namen: Im Saffire 56 sind zwei Liquid-Preamps verbaut. Unter diesem Label hat Focusrite bereits vor einigen Jahren Erstauenen in der Szene ausgelöst. Denn diese Preamps simulieren auf digitaler Ebene Highend-Preamps, die sonst ein Vermögen kosten. Jetzt stehen uns diese Preamps also in 2 HE für nur 819,00 € UVP inkl. FireWire Interface zur Verfügung? Wir haben getestet, wie das Liquid Saffire 56 in der Praxis besteht.


Features
Die Zahl 56 im Namen fasst die Ein- und Ausgagskanalanzahl zusammen: Mit je 28 an der Zahl ist das eine ganze Menge. Auf analoger Seite teilt sich das genau wie beim kleinen Bruder Saffire Pro 40 auf: Es stehen acht analoge Eingänge zur Verfügung. In diesem Fall allerdings zwei Liquid Channels, die als Mikrofon- oder Linevorverstärker genutzt werden können. Weitere zwei Eingänge sind zwischen Mic-, Line- und Instrumenteneingang umschaltbar. Die zwei Line-Eingänge liegen an der Vorderseite des Saffires an. Die verbleibenden vier haben nur eine Mic- und Lineoption. Im Gegensatz zum Saffire Pro 40 hat Focusrite beim großen 56 keine Kombibuchsen verbaut sondern separate XLR- und Klinkenbuchsen.

Auf digitaler Ebene hat Focusrite dem Saffire 56 jeweils zwei Adat Ins und Outs spendiert. Somit stehen also 16 digitale Kanäle in beide Richtungen zur Verfügung. Außerdem kann eine externe Wordclock angeschlossen werden oder ein weiteres Gerät, das vom Focusrite getaktet wird. Daneben finden wir noch SPDIF In/Out, Midi In/Out sowie zwei FireWire 400 Anschlüsse.


Das Bedienpanel
Frontseitig heben sich die zwei Liquid-Channels optisch durch einen weißen Hintergrund von den anderen Eingangskanälen ab. Alle Preamps haben eine schaltbare Phantompower und einen Lowcut. Zwei der Preamps haben zusätzlich einen Pad-Schalter. Neben der Preamp-Sektion finden wir das gleiche Display des Saffire 40. Hier zeigen jeweils fünf LED-Segmente den Pegel für die Input-Kanäle an. Die Monitor-Lineausgänge sind über das Monitorvolume an der Vorderseite regelbar. Außerdem gibt es eine Dim und eine Mute-Funktion. Leider ist auch beim großen Saffire 56 kein Mono-Schalter verbaut. Das muss also über die Software erledigt werden. Weiterhin sind zwei Kopfhörerausgänge separat regelbar.


Praxis: Die Software
Wie in unserem Saffire Pro 40 kommt hier die MixControl Software zum Einsatz: Um das Saffire nutzen zu können, muss die Saffire MixControl Software installiert werden. Ohne den Anschluss eines Rechenrs läuft das Interface nicht - auch nicht einfach als Wandler. Die Software ist schnell installiert und erstrahlt dann schnell in ihrer schlichten, professionellen Optik. Erwartungsgemäß lassen sich im virtuellen DSP Mixer eine Vielzahl an routings erstellen. Standardmäßig stehen 16 Mono-Submixe zur Verfügung. Diese lassen sich natürlich beliebig ändern, z. B. auf Stereo Gruppen. In der Software finden wir dann auch einen etwas komplexeren Monitorcontroller mit unserer am Gerät vermissten Mono-Funktion. Mit einem Button lege ich fest, ob ich den Monitoring Level am Gerätepoti oder in der Software regeln möchte. Per Software habe ich viele sinnvolle Optionen wie Monitorpresets und Einzelspeaker-Mutes. In der Praxis ist eine solche Softwarelösung nie zu 100% geschmeidig, denn ich muss ständig von meiner DAW zu Saffire MixControl wechseln, um die Monitoring-Funktionen wie z. B. Mono nutzen zu können. Zum Vergleich muss man aber auch klar sagen: In dieser Preisklasse gibt es keinen Software-Mixer, der besser ausgestattet ist.

Neben der Control-Software liefert Focusrite auch noch gleich ein paar PlugIns mit. Neben EQ und Kompressor finden wir auch einen Reverb und ein Gate. Die Qualität ist akzeptabel und als Notlösung zum Ausprobieren ok. Im Vergleich zu den Onboard-Plugins der Standard DAWs wie Logic oder Cubase kann das Focusrite Bundle nicht mithalten.


Praxis: Klang
Die Liquid Preamps dieses Saffire Interfaces sind nicht identisch mit den reinen Focusrite Liquid Preamp-Produkten. Der analoge Teil der Preamps entspricht weitestgehend den normalen Vorverstärkern des Saffire. Die besonderheit der Liquid-Channels liegt im Software-steuerbaren Processing von Preamp-Simulationen. Dieses Processing ist zum einen DSP-gestützt und erzeugt ein Klirr- und Dynamikverhalten berühmter Highend-Vorverstärker. Außerdem werden durch die Preset-Auswahl der Software Eingangsimpedanzen geschaltet, um noch näher an das Original zu kommen. Beim Liquid Saffire hat Focusrite den Rotstift angesetzt und einige von den Liquid-Preamps bekannte Presets gestrichen. Die Auswahl ist also kleiner, aber immernoch umfangreich: Es gibt eine Neutral-Stellung ohne Processing und insgesamt 10 Preamp-Simulationen vom legendären Neve 1073 über API, Manley bis zum TAB V72. Diese Auswahl wird über die Control Software vorgenommen und kann „On the Fly“ gehört und verglichen werden. Das macht auch wirklich Spaß, da man recht schnell seine Favoriten für bestimmte Quellen ausfindig gemacht hat. Und die Unterschiede sind mal unterschwellig mal offensichtlich, je nach Signal und Einstellung: Denn neben der Simulations-Auswahl kann noch an einem digitalen „Harmonics“-Poti gedreht werden: Hiermit wird ein heißer angefahrener Preamp simuliert, der dann noch mehr Obertöne und Kompression erzeugt.

Wichtig zu beachten ist, dass dieses Processing aufnahmeseitig stattfindet. Das Eingangssignal wird also über die Liquid-Simulationen bearbeitet und erst dann via FireWire auf Festplatte geschrieben. Ein nachträgliches ändern dieses Eingriffes ist leider nicht möglich. Den Liquid-Channels des Saffire können wir insgesamt ein sehr gutes Klangbild attestieren. Der Studio-Nerd
wird deshalb nicht jeden angesammelten Vintage-Preamp verkaufen, aber die Optionsvielfalt des Focusrite macht Spaß und liefert sehr gute Ergebnisse. Die anderen sechs Preamps klingen ebenfalls sehr gut, bieten eben nur nicht die Simulationen. Sie haben genug Power und rauschen auch bei leisen Quellen mit viel Gain fast unhörbar. Der gesamte Signalweg inklusive Wandlung ist wirklich sehr neutral und hochauflösend. Gegenüber den kleineren Saffires kann das 56 auch mit einer Abtastrate von 192 kHz wandeln. Dass Focusrite im Liquid Saffire einen Wordclock-Anschluss verbaut hat, zeugt von dem Anspruch dieses Interface auch im profesionelleren Umfeld nutzen zu können. Im Test mit einer hochwertigen externen Clock (in unserem Test ein Apogee Big Ben) kann klanglich nochmal eine Verbesserung in Richtung mehr Transparenz und besserer Räumlichkeit erzielt werden.


Fazit:
Das Focusrite Liquid Saffire 56 ist nicht nur ein sehr gutes Interface für anspruchsvolle Homerecorder. Es hält mit professionellen Interfaces Stand und überzeugt durch sehr guten Klang, Flexibilität und vollständige Anschlussoptionen. Der Kostensprung gegenüber dem kleineren Saffire Pro 40 fällt kleiner aus als wir es bei diesen Features erwartet hätten. Hier hat Focusrite zum ersten Mal die Liquid-Technik zu einem erschwinglichen Preis im Angebot - und das in einem hervorragenden Interface-Komplettpaket.


Focusrite Liquid Saffire 56
8 analog In, davon 8 Mikrofonpreamps oder 8 Line oder 2 Instrumentenanschlüsse
10 analog Out, davon 8 Line und 2 Monitor-Line
44,1 / 48 / 96 / 192 kHz 24 Bit Wandlung
Midi In/Out
SPDIF In/Out
Wordclock In/Out
2 x Adat In/Out (insg. 16 Kanäle)
2 separate Kopfhörer-Anschlüsse
2 x FireWire 400 Anschluss
230V Kaltgerätebuchse (integriertes Netzteil)
Mac/PC kompatibel

UVP 819,- €

www.focusrite.de