AUDIOINTERFACE

Universal Audio - Apollo Quad Core

Universal Audio - Apollo Quad Core - 8 In / 8 Out FireWire Audio Interface

 

 

Video 1 -

 

Der US-amerikanische Hersteller Universal Audio (UA) gehört seit Jahrzehnten zu den Schwergewichten in der Branche. Mit den 1176 und LA2A Kompressoren haben sie bis heute gültige Referenzen in der analogen Audiobearbeitung geschaffen. Es folgte die Eroberung von digitalen Gefilden: Mit den UAD Karten wurde Audio-Computern zusätzliche Rechenleistung für anspruchsvolle Digitalsimulationen geliefert. Zuletzt übertrug UA dieses System auf die UAD-2 Satellite FireWire, womit sich auch Laptops von der DSP-Power befeuern lassen. Wenn UA dann sein erstes Interface überhaupt auf den Markt bringt, das auch noch die DSP Architektur mitsamt einiger hochkarätiger Plugins in sicht trägt, ist die Aufregung in der Branche groß. Denn diese Kombination fasst die wichtigsten Elemente einer kompakten Studioumgebung mit hohem Klanganspruch zusammen. Übersicht DSP und Hardware Das hier getestete Apollo Quad ist die größte Ausbaustufe. Daneben ist noch eine Duo Version erhältlich. Der Zusatz verrät, das in unserem Testgerät vier Shark-DSPProzessoren die Plugins berechnen. Die Besonderheit beim DSP-System liegt in ihrer eigenen Rechenpower, die dem angeschlossenen Computer mehr Luft zum arbeiten lässt. Spezielle DSP-Plugins, wie sie beim Apollo schon vorinstalliert sind, werden dann nicht von der CPU des Computers berechnet, sondern unabhängig im Interface selbst. Neben der Entlastung sorgt diese Aufteilung auch für konstant niedrige Latenzen in der Verwendung von DSP-Plugins.

Hardware-seitig ist das UA Apollo ein FireWire Interface mit vier XLR-Mikrofoneingängen, 8 Line-Eingängen und 8 Line-Ausgänge. UA setzt auf Einzelbuchsen statt auf XLR-Klinke-Kombinationen. Es bleibt also bei insgesamt 8 simultan nutzbaren analogen Eingängen, von denen vier wahlweise als XLR- oder Klinkeneingang genutzt werden können. Mit den XLR-Eingängen besitzt das Apollo vier regelbare Eingänge - also mit Preamp.

 

Auch auf der Seite der digitalen Schnittstellen ist das Apollo gut ausgestattet: Jeweils zwei ADAT Ein- und Ausgänge erlauben bis zu 16 digitale Kanäle in maximal 48 kHz Auflösung mit einzubinden oder bis zu 8 Kanäle bei maximal 96 kHz (S/MUX). Weiterhin finden wir rückseitig je einen S/PDIF Ein- bzw. Ausgang (maximal 192 kHz) sowie Wordclock In und Out. Fest integriert sind zwei FireWire 800 Buchsen, die neben dem direkten Anschluss an den Computer auch den Anschluss weiterer Peripherie wie einer externen Festplatte ermöglichen. Links neben den FireWire Anschlüssen ist eine Blindplatte verbaut, die zur späteren Nachrüstung einer super schnellen Thunderbolt-Schnittstelle gedacht ist. UA hatte das Apollo ursprünglich als Thunderbolt Interface angekündigt. Tatsächlich ist es schlichtweg ein FireWire Interface. Denn wann Thunderbolt für den Audiobereich verfügbar ist, weiß niemand zur Zeit. Und ob die enorme Bandbreite des neuen Standards spürbare Vorteile gegenüber einer perfektionierten FireWire Verbindung wie bei Metric Halo oder RME bringt, steht ebenfalls in den Sternen. Der wohl einzige Anschluss, den man beim UA Apollo vermissen kann ist übrigens Midi. Hier scheint dann doch irgendwann der Platz der Rückseite eine Grenze gesetzt zu haben. Trotz Verzicht auf Midi ist es schon erstaunlich was UA auf einer 19“ Höheneinheit bietet. Sämtliche Buchsen sind von hoher Qualität und überzeugender Stabilität. Dazu zählt auch die Stromversorgung, die aus Platzgründen in Form eines externen Netzteils beim Gerät liegt. Das Netzteil verarbeitet alle international üblichen Spannungen von 100 bis 240 Volt und ist auf einen 4 Pin XLR Stecker konfektioniert. Das Bedienpanel Die Frontseite des Apollo ist klar gegliedert und ansehnlich gestaltet: Links sind zwei Hi-Z Klinkeneingänge verbaut, die den direkten Anschluss eines Instruments erlauben.

 

Daneben sitzt einer von zwei dominanten endlos Drehreglern. Ein Regler steuert das Preamp-Gain der Eingangsstufen, der andere die Monitorlautstärke. Ein durchdachtes Design-Konzept, da somit die wichtigsten und spontan zu regelnden Parameter immer griffbereit sind. Beide Drehregler haben noch eine Drucktasterfunktion: Drückt man den Preamp-Gain Regler, wählt man den betreffenden Kanal aus. In diesem lässt sich dann auch über sechs separate Drucktaster zwischen der Line/Mic-Funktion schalten sowie einen Lowcut, die Phantompower, eine Phasendrehung, eine Vordänpfung für starke Signale, und ein Channel-Link aktivieren. Damit bietet das Apollo alle wichtigen Channel Grundfunktionen, die man sich wünschen kann. Der Monitor-Drehregler aktiviert mit seiner einen Ausgangs-Mute. Außer dem finden wir auf der Vorderseite noch zwei Kopfhörerausgänge mit jeweils eigenem Lautstärkepoti sowie den Power-Schalter. Mittig befindet sich das Display, welches alle wichtigen Parameter anzeigt. Zentral werden die Eingangs- und Ausgangspegel genau und kontrastreich dargestellt. Hier bleiben keine Wünsche offen. Hervorheben müssen wir an dieser Stelle die wirklich sehr gute Verarbeitungsqualität, die gepaart mit dem guten Bedienkonzept ein sehr schnelles und angenehmes Arbeiten ermöglicht.



 

Die Software: UA Console

Console nennt sich die Bedienoberfläche, mit der sich das Apollo steuern lässt. Neben den Grundeinstellungen wie Synchronisation, Samplerate etc. bietet Console unmittelbar eine gute Übersicht. Optisch orientiert sich Universal Audio an klassischen analogen Mischpulten. Schalter, VU Meter und sogar Belüftungsschlitze bieten etwas fürʻs Auge. Glücklicherweise leidet darunter nicht die Übersichtlichkeit, denn jeder, der schon einmal an einem Mischpult gearbeitet hat, findet sich sofort zurecht. Subgruppen lassen sich über
die digitalen Auxpotis erstellen, ebenso zwei separate Kopfhörermixes, die dann auf der Vorderseite des Apollo anliegen. Da sich Console an klassischen Pulten orientiert, sind die Routingmöglichkeiten begrenzt. Für die meisten Recording-Anwendungen mit Monitormixes aber übersichtlich und sehr einfach bedienbar. Lediglich für Nutzer eines 13“ MacBooks kommt bei Console wenig Spaß auf, denn die grafisch detailreich gestaltete Oberfläche ist nicht skalierbar und für Auflösungen ab dem 15“ MacBook gedacht.

 

 

UAD Plugins

Wir wechseln also auf einen externen Monitor und wenden uns dem zentralen Highlight zu: Den UAD Plugins. Mit der Quad Version des Apollo steckt schon eine Menge Power in dieser einen Höheneinheit und wir beginnen mit dem Bestücken der Console-Inserts. Mitgeliefert wird das „Analog Classics“ Bundle, bestehend aus Simulationen von legendären Studioklassikern wie dem Urei 1176 in den drei wichtigsten Revisionen, dem LA-2A, Pultec EQP-1A, Realverb Pro und dem CS-1. Neben den vorinstallierten Plugins bekommt der Käufer des Apollo noch einen 100 $ Gutschein für weitere Plugins. Das Analog Classic Bundle bietet schon fantastische Plugins, die jeden Mix aufleben lassen. Für die Drums sind die verschiedenen 1176 Revisionen eine Pflicht. Wer das volle UAD Potenzial ausschöpfen möchte, ist aber gut bedient weit über den Gutschein hinaus das System an die eigenen Bedürfnisse käuflich anzupassen. In unserem Testgerät ist das volle UAD Programm installiert, sodass wir gerade für ein Drumsetup einige spannende Plugin-Kombinationen finden konnten. Die Plugins lassen sich nicht nur im Monitoring-Weg in Console nutzen: Auch auf den Auxwegen für einen Kopfhörermix des Musikers ist Platz für die DSP Boliden. Außerdem stehen dem User nach der sehr einfachen und unkomplizierten Softwareinstallation diese Plugins auch in der DAW Software zur Verfügung.

In der Praxis: Beispiel Drum-Setup

Wir wollen wissen, wie das Apollo mit einer Basis-Drummikrofonierung arbeitet: Zwei Overheadmikrofone, Bassdrum, Snare - das warʻs. Damit haben wir alle Micpreamps des Apollo genutzt und können prüfen, wie sich das System bewährt. Der Videoclip zeigt einen Groove mit wechselnden Plugin-Setups. - Als erstes hört ihr das unverfälschte Signal - Mikro, Preamp, Wandler. - Es folgt das Neve 1073 EQ Plugin auf der Summe. Wir haben eine leichte Mittenabsenkung sowie eine dezente Verstärkung im Präsenzbereich gewählt, um den Mix etwas frischer klingen zu lassen. Der 1073 bleibt bis zum Schluss aktiv. - Die Studer A800 Tape Simulation zeigt vor allem im Lowend, warum Drums nach wie vor gerne auf Band aufgenommen werden. - Statt der Studer aktivieren wir nun den 1176 mit mittlerer Attack-Zeit und kurzer Release, um das Signal zu verdichten. - Nun tauschen wir den 1176 gegen den Fatso Jr. Ein fantastischer Kompressor für moderne Pop/Rock-Sounds: Aggressiv, schnell und punchig. Man achte auf Snare, deren Essenz wunderbar herausgearbeitet wird. Und trotz extremer Einstellung erhalten wir ein tolles, homogenes Gesamtbild Erstaunlich, wieviel aus 4 Mikrofonsignalen herauszuholen ist. Die UAD Plugins begeistern voll und ganz.

 

 

Klang:

Die Preamps sind von höchster Qualität, soviel können wir vorweg sagen. Die Zahlen bestätigen beste Eigenschaften: 118dB Dynamikumfang, 120dB Übersprechungsabstand - das ist erste Liga. Mit maximal 65 dB Verstärkung lassen sich auch dynamische Mikrofone mit leisen Signalen perfekt aussteuern. Der Lowcut-Filter liegt übrigens nicht in der analogen Preamp-Stufe, sondern digital hinter dem Wandler. Klanglich können wir den Preamps nur positive Eigenschaften bescheinigen. Ein tiefes, definiertes Lowend gepaart mit einer tollen Transparenz lassen keine Wünsche offen. Ein 100 prozentig cleaner Preamp ist es nicht. Wir hören etwas Farbe in Richtung Hifi und Wärme heraus. Das ist durchaus eine positive Eigenschaft und grenzt das Apollo von einigen Mitbewerbern ab. Die Signalqualität, die die Wandler liefern ist schon bemerkenswert. UA setzt auf hochwertige Wandler, die das Signal bei jeder Samplerate sehr feinzeichnend und natürlich ausgeben. 96 kHz bringen gegenüber 48 kHz aber nocheinmal einen hörbaren Unterschied zugunsten einer noch besseren Auflösung in den Höhen.

Fazit:

Mit dem Apollo hat Universal Audio ein hochwertiges Gesamtpaket abgelegt. Die Kombination aus einem sehr guten Interface und einer integrierten UAD Karte wird viele Produzenten und Soundtüftler begeistern. Wer die volle klangliche Leistungsfähigeit ausschöpfen will, sollte aber noch einen satten dreistelligen Euro-Betrag für weitere Plugins einkalkulieren - es lohnt sich!


Universal Audio Apollo Quad
4 x XLR Mic In
8 x Klinke Line In
8 x Klinke Line Out
2 x FireWire 800
2 x ADAT In, 2 x ADAT Out
S/PDIF In/Out, Wordclock In/Out
AD/DA-Wandlung in 44,1 kHz bis 192 kHz und max. 24 Bit
UVP: 3051,00 €

 

 

www.sea-vertrieb.de