E-DRUMS

Korg Wave Drum

Wir haben für Euch den Test gemacht


1994 begeisterte die erste Wavedrum von Korg die Fachwelt mit einem innovativen Design, kreativen Sounds und flexiblen Performancemöglichkeiten. Nun ist die nächste Generation am Start, laut Korg preisgünstig, vielfältig und ausdrucksstark genug, um zu einem musikalischen Meilenstein zu werden. Nun gut, soviel zur Werbung, doch was kann das Teil wirklich? Wir haben es für euch getestet.


Wirklich beeindruckend ist, wie sensibel die Wavedrum auf die verschiedensten Arten von Berührung reagiert: Streicht man ganz zart über die Oberfläche, hört man über Kopfhörer ein seichtes Kratzen, das die Dynamik der Hand wirklich 1-zu-1 wiedergibt. Allein im Reiben und Kratzen könnte man sich stundenlang verlieren. Und man kann auch Stöcke, Mallets und Besen benutzen.

Neue Spielweisen und unerforschte Klänge

Was passiert, wenn man anfängt stärker zu schlagen ist ebenso beeindruckend, manchmal aber auch verwirrend: Die Sounds sind klasse, ändern sich entsprechend der Anschlagstärke, wobei es manchmal an reinen Zufall grenzt, was die Wavedrum tatsächlich von sich gibt. Plötzlich kommt nicht nur der Klang des Instruments, sondern auch ein tiefer Synthieton (Immerhin heißt das Gerät ja auch "Dynamic Percussion Synthesizer"). Das erfordert einige Übung und Einfühlungsvermögen für die einzelnen Presets. Drischt man einfach drauf los, ist Prinzip Zufallsgenerator angesagt. Korg nennt das wie folgt: "Die Wavedrum fordert zu neuartigen Spielweisen heraus, die in unerforschte Bereiche klanglicher Innovation und Tiefe vorstoßen". Stimmt!


Massig Sounds aus verschiedenen Kulturen und Epochen

Und diese Sounds bietet die Wavedrum: Es beginnt mit traditionellen Pop-/Rock-Drumsounds wie Snares, Bassdrums und Tomtoms. Es folgen Percussion-Sounds aus verschiedenen Kulturen und Epochen: darunter Tablas, Congas und viele weitere Instrumente, die eigentlich spezielle Spieltechniken erfordern, die aber jeder Laie mit der Wavedrum sofort reproduzieren kann. Und es klingt erfreulich authentisch, ohne Maschinengewehr-Effekte, ohne billigen Dynamikausgleich.

Super: Übt man während des Spielens Druck auf das Fell aus, so verändert sich die Tonhöhe. Dieses Feature war bislang für fast alle elektronischen Schlaginstrumente unmöglich. Damit ist auch folgendes machbar: Ein Tanpura-Sound entsteht, wenn man das Fell anschlägt, ein Sitar-Sound wird hinzugefügt, indem man das Fell drückt und dann erst anschlägt. Man kann dabei sogar eine Skala angeben, in der sich die Tonhöhe verändert. Ingesamt lassen sich 100 eigene Kreationen speichern.

Kombination aus PCM-Sounds und Algorithmen

Ein kleiner Exkurs für die Technikverliebten unter Euch, direkt von Korg: "Die Wavedrum enthält 36 softwarebasierte Algorithmen, mit deren DSP-Technologie eine Vielzahl von Syntheseverfahren wie Analog, Additiv, Nicht-Linear oder Physical Modeling umgesetzt wird [...]. Die PCM Sound Engine, der andere wichtige Teil der Wavedrum-Klangerzeugung, enthält 200 PCM Sounds - 100 für das Schlagfell und 100 für den Rim. Die Kombination von PCM-Sounds und Algorithmen ermöglicht eine natürliche Ansprache und Dynamik, die mit normalen, reinen PCM-Soundsystemen nicht realisierbar ist". Bis hierhin gelesen? Sauber!


Test im DrumXound-Homestudio

Schön sind auch die "geriffelten" Bereiche an den Rims, zwei an der Zahl: eine Riffelung mit sehr feinen Erhebungen, die andere mit etwas größeren. Das lädt ein, mit dem Stick drüber zu fahren - und auch das klingt fantastisch.

Wir haben das Ganze im DrumXound-Homestudio mit dem Interface Saffire 40 von Focusrite aufgenommen und einige Personen zum Test geladen. Dabei haben wir behauptet, der Sound käme von einem echten Percussion-Instrument und nicht von der Wavedrum. Geglaubt haben es uns alle Testpersonen aufs Wort.

Ein Manko hingegen fällt ziemlich schnell auf: Die Ladezeiten sind erstaunlich lang, sowohl beim Einschalten, als auch beim Hin- und Herschalten zwischen Bänken und Sounds. Das irritiert zu Beginn etwas, mag vielleicht durch die hohe Rechenleistung zu begründen sein, doch drängt sich während der rund fünfsekündigen Wartezeit jedes Mal folgende Frage auf: Wie zum Teufel überbrücke ich diese Wartezeit, wenn ich live schnell die Sounds wechseln muss? Rätselraten... Doch hier die Lösung: Die Wavedrum bietet einen LIvemodus, so dass Ihr 12 Lieblingsprogramme bei Eurer Live-Performance sofort abrufen könnt - ohne Ladezeiten. Folgende Künstler arbeiten übrigens mit der Wavedrum: Steve Smith, Will Calhoun, Chad Smith, Alex Acuna und viele weitere.


Fazit

Die Wavedrum bietet großen Spielspaß und begleitet euch auf all euren Wegen: Live, im Studio oder zuhause. Sound, Anschlagdynamik und Editierbarkeit sind wirklich überragend, für uns der Konkurrenz in den meisten Punkten eine gute Nase voraus. Die Verarbeitung ist solide, lediglich die Regler lassen sich leicht abziehen (zum Glück auch wieder dranstecken :). Die Ladezeiten sind recht lang, ein Livemodus rettet hier über das Gröbste hinweg. Leider kein Midi. Der UVP Preis ist mit 590,- Euro recht üppig, allerdings muss man sagen: Für eine solche Technologie angemessen.

www.korg.de

 

Spezifikation

DSP-Algorithmen
•36 insgesamt (26 Single-Algorithmen, 10 Double-Algorithmen)
•45 insgesamt (Wavedrum Oriental)

PCM-Klänge
•200 insgesamt (100 Schlagfell-Sounds, 100 Rahmen-Sounds)
•300 insgesamt (150 Schlagfell-Sounds, 150 Rahmen-Sounds) (Wavedrum Oriental)


Programme
•200 insgesamt (100 User, 100 Presets)
•300 insgesamt (150 Preset, 150 User) (Wavedrum Oriental)


Loop-Phrasen
•100
•140 (Wavedrum Oriental)


Effekte
•Reverb, Delay


Regler
•Volume, Bank/Mode/Page Select, Program/Parameter Select, Value Control, Write


Ein/Ausgänge
•Ausgang L, R (Mono-Klinkenstecker), Kopfhörer (Stereo-Miniklinkenstecker), AUX IN, (Stereo-Miniklinkenstecker)


LED-Display
•3 Zeichen, 7 Segmente


Sampling-Frequenz
•48 kHz


A/D-, D/A-Wandlung
•24 Bit


Spannungsversorgung
•DC9V, 1,7A


Abmessungen
•349 (B) x 344 (T) x 75 (H) mm


Gewicht
•2,0 kg


Zubehör
•Externes Netzteil, Stimmschlüssel, Sechskant-Steckschlüssel


Sonderzubehör
•Ersatzschlagfell HD-WD, Percussion-Ständer ST-WD, WD-Bag