E-DRUMS

e-Drums - die (R)Evolution

Warum eigentlich elektronische Drums? Es gibt schließlich akustische Schlagzeuge.


Die Diskussionen zwischen der E-Drum Fraktion und den „Akustikern“ läuft nun schon seit Anfang der achtziger Jahre; seit die Firmen Simmons und MPC ihre ersten E-Drums vorstellten und den Schlagzeug Markt neu aufmischten. Die E-Drum-Technologie hat eine wirkliche Revolution hervorgerufen. Fakt ist heute: die E-Drums haben sich definitiv etabliert. Der Markt wächst und die Entwicklungen gehen stetig weiter. Doch die Ausrichtung bzw. Zielsetzung ist heute anders als damals. Früher konnten die Sounds nicht „strange“ oder „abgefahren“ genug sein. Die Klänge waren eher synthetischer Art, und wurden in den 80s in vielen Pop- und Rock Produktionen eingesetzt. Die bekanntesten waren wohl Saga, Yes, Van Halen oder hier bei uns die Band Spliff mit Herwig Mitteregger als Drummer.

 MPC – Drums auf der Musikmesse Frankfurt 1985 MPC – Drums auf der Musikmesse Frankfurt 1985

links: erste MPC Drums / rechts Simmons SDX - beide aus England

Heute versucht man eher, soundmäßig möglichst ans „echte“ Drumkit zu kommen, quasi die „echten Drums“ zu kopieren und möglichst realistische Klänge aus dem E-Drum-Kit zu kitzeln. Die bekanntesten E-Drum Firmen heute sind Roland, Yamaha, 2Box und Alesis. Ich persönlich finde E-Drums sehr hilfreich in verschiedenen Bereichen, obwohl ich Live, nach wie vor, immer ein akustisches Set bevorzugen würde, aber das ist reine Geschmackssache. Neben den E-Drums ist auch der Markt für Triggersysteme enorm gewachsen. Damit werden die verschiedensten E-Drum-Module über die „echten“ Trommeln angesteuert.

 Harald Gräff - Autor des Berichts  Jerry Pickett

links: Harald Gräff -  rechts: Jerry Pickett - beide auf MPC Drums - Musik Messe ca. 1985

Welche Vorteile hat den nun ein E-Drum-Kit? Zunächst einmal braucht man keine Übungspads mehr. Nicht alle haben den Proberaum im Haus. Die meisten müssen erst in den Proberaum fahren – und gerade als Drummer sollte man versuchen, regelmäßig zu üben. Eine halbe Stunde täglich ist besser, als sechs Stunden ein Mal wöchentlich.

 Ed Mann auf Simmons Mallets 

Ed Mann auf Simmons Mallet - Musik Messe ca. 1985

Die Meisten werden ein E-Drum-Kit zu Hause haben, wenn sie genug Platz haben. In der Regel wird man über Kopfhörer spielen. Es geht aber auch über die PA oder spezielle Drum Monitore. Natürlich ist das Spielen auf den E-Drums dennoch nicht ganz lautlos; je nachdem welche Pads man besitzt, hört man die Anschläge der Sticks sehr laut. Hinzu kommt noch der Trittschall der Bass Drum, der nun um einiges höher ist, aber hier kann man auch mit ein paar Teppichen oder Schallabsobern nachhelfen, um den Krach auf ein erträgliches Maß zu reduzieren. Nicht, dass man die Klingel überhört, wenn der Vermieter mit der Kündigung vor der Tür steht. Am besten, man stellt das Kit auf eine Hohlzplatte und darunter einige halbierte Tennisbälle oder Isolierungen aus dem Baumarkt. Wichtig ist, dass nach Möglichkeit  kein direkter Kontakt zum Boden besteht.


Gerade für die Anfänger unter euch – insbesondere wenn noch keine Band besteht - sind die E-Drums sehr praktisch, weil man damit nun auch zur Musik spielen kann - ohne viel Schnick Schnack. Ich wünschte, es hätte so etwas schon vor dreißig Jahren gegeben. Einige Sets haben die Musik bereits im Modul oder man kann sie über einen USB-Stick oder den PC darauf laden. Manche Geräte, wie Roland oder Yamaha haben sogar eine Recording Funktion! Was will man mehr? Man hat nicht nur die Möglichkeit, zu seiner Lieblingsmusik zu üben, sondern kann das Ganze sobald man es aufgenommen hat, auch einer kritischen Hörprobe unterziehen. Manche Bands proben sogar zu Hause mit Kopfhörern. Oft macht die Band auf diese Art und Weise die ganze Studioarbeit mit E-Drums oder zumindest die Vorproduktionen. Da der Klang der E-Drums meist mehr hergibt, als in einem unspektakulären, oft in Eigenregie auf die Schnelle isolierten Proberaum. Die Technik und der gesamte Aufwand werden so um einiges reduziert.


Die meisten E-Drum Kits liefern auch einen echt guten Drum-Sound, ohne erst ein Drum Kit stimmen zu müssen. Das ist nicht nur kinderleicht; man hat gleichzeitig für jede Art Musik viele verschiedene Sounds zur Auswahl. Darüber hinaus verbraucht man keine Schlagzeugfelle. Einige Drummer sagen, dass auch der Stickverbauch geringer ist (was ich nun leider nicht bestätigen kann wenn ich da an die ersten Simmons Kits denke). Vieles hängt natürlich von der persönlichen Spielweise und den verwendeten Pads ab. Aber die E-Drums haben nicht nur Vorteile. Bei den alten Pads haben sich einige Drummer ganz schön die Handgelenke demoliert. So etwas sollte bei den aktuellen E-Drums Kits eigentlich nicht mehr passieren. Trotzdem sollte man aber darauf achten und bei eventuellen Problemen einen Orthopäden mit einbeziehen.

Bill Bruford am Simmons SDX  Alphonse Mouson mit Dynacord e-Drums am Akustik Drum Set

links: Bill Bruford auf Simmons SDX - rechts: Alphonse Mouzon mit Dynacord Pads an einem Akustik Set - Musik Messe ca. 1985

Für die E-Drums braucht man viel weniger Kraftaufwand, um immer den selben Sound zu erzeugen, was dann besonders auffällt, wenn man wieder hinter einem richtigen Drum-Kit sitzt. Man wundert sich dann, wieso man auf einmal nicht mehr so schnell spielt und der Sound auch nicht mehr so überzeugend ist. Es ist vergleichbar mit dem Wechsel eines Pianisten vom kleinen tragbaren Keyboard auf einen robusten Flügel, bei dem das Gewicht, mit dem die Hand auf den Tasten lastet noch eine enorm große Rolle spielt. Zwar kommen die heutigen High-End-Drums wirklich nah an das Spielgefühl an einem echten Schlagzeug heran, aber es ist noch lange nicht dasselbe.

 

Manche Musiker steigen direkt mit einem E-Drum-Kit ein und möchten kein „echtes“ Schlagzeug. Es gilt sicherlich, dass nicht jede Musik oder Band echte Drums braucht. Jeder soll das machen, was gefällt, und einen Weg finden, seine Ziele und Ideen am besten rüber zu bringen. Dennoch wird wohl auch ein Weltklasse-Keyboarder an einem halbwegs klassischen Instrument begonnen haben. Es hängt eben alles davon ab, wohin man damit möchte. Eins ist und bleibt jedoch klar: wer sich nicht weiter entwickelt, bleibt heutzutage auf der musikalischen Evolutionsleiter im unteren Bereich hängen. Ich glaube, dass man die aktuelle Technik nutzen sollte, schließlich erspart sie uns so manches Mal viel Zeit und Geld. Zudem kann man hier seine Kreativität voll ausleben. Nun denn, ich hau schon mal den Stecker rein und fang an die neuen E-Drums  zu bearbeiten, also bis zum nächsten Test.

Euer Harald Gräff