EFFEKTGERÄTE

SPL Full & Bass Ranger

SPL Full Ranger und Bass Ranger

RackPack-Module

Mit dem RackPack hat SPL vor einigen Jahren ein eigenes hochwertiges Modulsystem geschaffen, das mit einer breiten Palette an Klangbearbeitungswerkzeugen und Preamps aufwarten kann. Manche Geräte gab es bereits vorher im 19“ Format, einige sind später in Form der SPL Analog Elemental Serie ins Standard-Rack-Format gewandert. Lediglich die Ranger EQs gibt es nur als Modul - oder als PlugIn, das sich bereits großer Beliebtheit erfreut. Die grafischen EQs können mit einigen Finessen und besonderen Qualitäten auftrumpfen, soviel vorweg. Ein Blick hinter die schlichte Fassade lohnt sich.

Überblick

SPL hat drei Ranger Equalizer im Sortiment, deren Name die Spezialisierung auf gewisse Einsatzgebiete bereits verrät: Der Full Ranger, Bass Ranger und Vox Ranger. Für unseren Test haben wir Full und Bass Ranger im RackPack verbaut. Da Stromversorgung Bestandteil des RackPacks ist, können die Module nicht autark verwendet werden. Es ist ein properitäres System, das SPL eingens entwickelt hat. Unser RackPack Test zeigt die Besonderheiten des Systems.

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Technik

Optisch erinnern die Ranger Equalizer auf Grund ihrer Schieberegler an klassische grafische EQs, wie man sie in fast jedem Live-Rack findet. Technisch findet die Klangbearbeitung in den SPL Modulen aber auf einem ganz anderen Level statt. SPL setzt auf eine passive Klangbearbeitung mit eigens entwickelten Spulen. Passiv bedeutet, dass die Frequenzen, die an die jeweilige angehobene Einsatzfrequenz angrenzen, abgesenkt werden. Der Gesamtpegel wird durch Aufholverstärker angepasst. Diese Variante der Klangbearbeitung gilt seit dem klassischen Pultec EQ als besonders edle Methode, der ein musikalischer Klang nachgesagt wird. Außerdem arbeitet ein Spulen-Equalizer phasenneutral, sodass unerwünschte Nebeneffekte, die häufig die Tiefe und Auflösung eines Signals beeinträchtigen können, vermieden werden.

Die Einsatzfrequenzen beschränken sich auf die acht Schieberegler, die SPL für die jeweiligen Module nach musikalischen Gesichtspunkten festgelegt hat. Auch die Bandbreite der jeweiligen Frequenzbänder ist fix. Das Konzept ist interessant: Es lässt eine große Anzahl an Frequenzbändern auf kleinem Raum bei guter Bedienbarkeit zu.

Die technischen Daten sprechen für einen professionellen Einsatz: Der Gesamtfrequenzgang liegt bei 30 bis 30.000 Hz. Ein niedriger Klirrgrad sowie eine Clip-LED, die erst bei +21dBu aufleuchtet stehen für hochwertige Bauteile und ein sorgfältiges Design. Bei -20dBu spricht die Signal-LED an und signalisiert somit ein anliegendes Audiosignal. Ein in der Praxis nicht zu unterschätzendes Tool, das SPL konsequent in seinen Produkten berücksichtigt.

Die beiden EQs unterscheiden sich lediglich in den vom Hersteller gewählten Einsatzfrequenzen: Der Full Ranger regelt im unteren Limit bei 40 Hz, am oberen bei 16kHz. Die sechs Bänder dazwischen sind gleichmäßig verteilt und sollen somit ein flexibles Klang-Shaping ermöglichen. Der Bass Ranger wird seinem Namen gerecht, indem sechs der acht Bänder bis 500 Hz arbeiten. Darüber stehen lediglich 800 und 2000 Hz zur Verfügung.

Ob die Bänder und Frequenzbreiten gut gewählt sind, haben wir in der Praxis ausprobiert.

Praxis

Da die Ranger Module keinen Lowcut besitzen, verwenden wir das untersten Band häufig, um ungewünschten Tiefbass zu entfernen. Die Regler packen kräftig zu und liefern schnell und effektiv sehr gute Ergebnisse. Das unterste Band nimmt beim Herausziehen nicht zu viel Wärme, betont wiederum beim Verstärken sehr artikuliert den Druck, beispielsweise der Bassdrum. Die 40, 90 und 150Hz des Full Rangers lassen eine etwas grobe, aber doch erstaunlich effiziente und musikalische Bearbeitung des unteren Frequenzspektrums zu. Die Bänder sind hervorragend aufeinander abgestimmt und man wundert sich nicht selten darüber, wie musikalisch diese drei Bänder Tiefbass und Druck formen können. Dabei macht auch die Anhebung durch subtile Sättigungseffekte eine Menge Spaß beim Sound-Shaping. die 500 und 1800 Hz arbeiten recht breitbandig und eignen sich sehr gut für Grundeinstellungen eines Signals. Es fällt gerade bei diesen Frequenzen auf, das ein starker Frequenz-Cut das Signal nie entstellt. Das Ergebnis bleibt immer musikalisch nutzbar und inspiriert gerade zu zum Experimentieren mit der Kombination der Frequenzbänder. Die oberen Bänder 4.7, 10 und 16kHz arbeiten mit seidigem Charakter und können fast süchtig machen. 4,7kHz sind gut gewählt um die Präsenz eines Instruments zu bearbeiten oder der Stimme Durchsetzungsvermögen zu geben. Die 10kHz sind ein Bereich, bei dem es oftmals schwierig ist mit einer solchen Breite wie beim Full Ranger gezielt einzugreifen. Aber ein Hauch im Cut bzw. Boost können im Mix durchaus einen Unterschied machen. Spannend ist auch hier wieder die Kombination mit dem darüber liegenden Band. Einen besonderen Glanz für Background-Vocals, Synth-Flächen oder Reverbs kann eine leichte Absenkung der 10kHz bei gleichzeitigem Boost der 16kHz bringen. Der Full Ranger arbeitet im obersten Frequenzband derart charmant und ohne jede Spur von Härte, dass man sich ertappt, bei nahezu jedem Signal den Effekt dieses Bands zu testen.

Der Bass Ranger bietet dagegen keine Editieroptionen in den Höhen. Die enger und schmaler abgestimmten Bänder erlauben den gezielteren Einsatz unterer Frequenzen und Mitten. Hier fehlt vielleicht am offensichtlichsten ein Lowcut, dessen fein abgestimmte Einsatzfrequenz in der Praxis entscheidend sein kann für das Druckverhalten von Bass und Bassdrum. Da aber auch der Bass Ranger trotz engeren Bändern kein chirurgisches Tool ist, sollte man den Einsatz ohnehin im Zusammenhang z.B. mit einem hochwertigen phasenstarren Digital-EQ sehen. In der Kombination ist der Bass Ranger dann in der Lage, charakterstarke Shapes zu erzeugen, die im digitalen Umfeld so kaum möglich sind. Die Zusammenarbeit der unteren drei Bänder funktioniert fantastisch. Auch stärkere Eingriffe lassen das Signal nie zusammenbrechen oder völlig unnatürlich klingen. Die vier Bänder von 170 bis 800Hz sind ebenfalls gut gewählt: Auf Snare, Bassdrum und Toms macht der Einsatz enormen Spaß und liefert schnell tolle Ergebnisse. Beim Anheben gewinnen manche Signale subjetiv an „Schmatz“ und Attack. Aber irgendwann sind die schönen Bänder dann einmal zu Ende: Die 2kHz als oberstes Band schreien nach weiteren Hard- oder Software Helfern, um den Präsenzbereich feiner zu bearbeiten. Denn hier liegen die Informationen, die Durchsetzungskraft, Tiefenstaffelung und Präsenz beschreiben.

Fazit

Wie gemein, dass SPL uns diese hochwertigen EQs noch nicht im 19“ Format anbietet. Sie sind starke Argumente für das RackPack. Der Full Ranger sticht besonders hervor, da das Spulendesign ganz besondere Klangqualitäten im Präsenz- und Höhenspektrum bietet. Die Feinheiten, die der EQ auch bei Extremeinstellungen so musikalisch herausarbeiten kann, haben wir - auch das sei hier betont - zu diesem Preis nicht erwartet. Der Bass Ranger beherrscht natürlich keine perfekte Kontrolle über den Bassbereich, dafür sind die starren Bänder zu eingeschränkt. Aber in erstaunlich vielen Situationen passen die von SPL vorgewählten Bänder sehr gut. Er liefert auf vielen Signalen außerordentlich charakterstarke und musikalische Eingriffsmöglichkeiten, die chirurgische Werkzeuge so nicht liefern können. Insofern sind die Ranger EQs durchaus als musikalische Kreativwerkzeuge zu verstehen, die in Kombination mit frei einstellbaren voll parametrischen Equalizern geniale Ergebnisse liefern können. Insbesondere der Full Ranger wäre auch hervorragend als Bus-EQ geeignet, wäre denn der Regelweg gerastert. Da er lediglich eine feste 0dB-Mittelstellung aufweist, gestaltet sich die Stereo-Abstimmung schwierig. Neben diesem kleinen Minus lässt sich festhalten: Wer ein RackPack besitzt, kommt um die Ranger EQs nicht herum.

SPL Full Ranger 2716
RackPack Modul
8 Band Spulen-Equalizer
Frequenzbänder: 40Hz, 90Hz, 150Hz, 500Hz, 1,8kHz, 4,7kHz, 10kHz, 16kHz
UVP 439,00 €

SPL Bass Ranger 2717
RackPack Modul
8 Band Spulen-Equalizer
Frequenzbänder: 30Hz, 65Hz, 95Hz, 170Hz, 230Hz, 500Hz, 800kHz, 2kHz
UVP 439,00 €

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