EFFEKTGERÄTE

SPL Transpressor

SPL Transpressor 

Dynamikprozessor

 

  

Beim Thema Dynamikbearbeitung stehen in der Regel endlose Diskussionen unter Tontechnikern und Musikern an. Die Auswahl an Hard- und Software ist immens. SPL hat sich hier bereits vor Jahren einen festen Platz unter den etablierten Studiotools gesichert: Mit dem Transient Designer ging der deutsche Hersteller neue Wege der Signalbearbeitung. Im Gegensatz zu einem klassischen Kompressor werden beim Transient Designer nur mit den Parametern Attack und Sustain Anschlag und Abklang eines Instruments geregelt - und das unabhängig vom Signalpegel.

Dennoch ersetzt dieses revolutionäre Gerät nicht unbedingt den Kompressor, dessen komplexere Einstellmöglichkeiten und Klangcharakteristika in jedem Mix nach wie vor das Salz in der Suppe sind. Warum also nicht Transient Designer und Kompressor in einem Gerät unterbringen? Das hat man sich wohl bei SPL gefragt und diese Kombination als Monokanalzug in eine 19“-Höheneinheit gepackt. Wir haben das Gerät auf die Tauglichkeit für das Drumediting getestet.

 

Video:

 

 

 


Technik

Werfen wir zunächst einen Blick auf das Konzept des Transpressors und wie SPL es technisch umgesetzt hat. Das Grundprinzip vereint zwei unabhängige analoge Klangprozessoren in einer Einheit. Sowohl Transient Designer als auch Kompressor, lassen sich jeweils aktivieren bzw. deaktivieren. Ein weitere Schalter (COMP PRE) legt die Reihenfolge der beiden Prozessoren fest. Das Handling beider Prozessoren ist also völlig flexibel, als hätte man beide Geräte einzeln vor sich.

Während der Transient Designer nur mit den zwei Parametern Attack und Sustain arbeitet, finden sich im Twin Core Compressor deutlich mehr Einstellmöglichleiten: Threshold und Ratio, Attack und Release sowie Makeup-Gain stellen die klassischen Parameter eines Kompressors dar, der volle Kontrolle über das Signal bieten soll. Bei aktiviertem „Auto“-Schalter wird anhand des Signals die passende Release-Zeit ermittelt und automatisch eingestellt. Gainreduction und Ausgangssignal werden per LED-Kette angezeigt.

 

 

Darüber hinaus hat SPL zwei weitere Funktionen integriert: Ein zusätzlicher rückseitiger Klinkeneingang erlaubt das Einspeisen eines Signals als Sidechain für den Kompressor, der wiederum frontseitig per Schalter aktiviert wird. Diese Funktion ist bei besser ausgestatteten Kompressoren üblich, damit ein Signal (z.B. Bass) durch das Klangverhalten eines anderen Signals (z.B. Bassdrum als Sidechain) in der Kompression bearbeitet wird. Außerdem können zwei Transpressoren zu einer Stereo-Einheit verbunden werden. Dafür genügt der Anschluss eines üblichen RJ45-Netzwerkkabels zwischen beiden Geräten. Per „Link Slave“-Schalter wird das Gerät angewählt, dass die Steuereinstellungen vom anderen übernimmt.

Als letzter editierbarer Punkt im Signalweg bietet das „Parallel Mix“-Poti die Möglichkeit zwischen unbearbeitetem und bearbeitetem Signal zu mischen - von komplett dry (unbearbeitet) bis wet (bearbeitet). Bräuchte man sonst zwei Spuren auf dem Mixer, um diesen Effekt zu erzielen, bietet SPL die Funktion direkt im Gerät.

Soweit die Funktion des Transpressors. Auf technischer Seite wartet SPL mal wieder mit hochqualitativen und individuellen Lösungen auf. Sowohl für den Transient Designer als auch für den Kompressor kommen je eine aufwändige und hochpräzise Doppel-VCA-Schaltung zum Einsatz. Hochwertige Opertionsverstärker und eine durchdachte Masseführung sorgen für mustergültige Messwerte bei Dynamikumfang und Nebengeräuschen. Außerdem ist der Transpressor enorm pegelfest. Er verträgt bis zu 21dBu sowohl im Eingang als auch im Ausgang. Anschlussseitig lässt SPL keine Wünsche offen: XLR- und Klinkenbuchsen stehen als Input und Output zur Verfügung. Der Output liegt doppelt an, falls das Signal direkt an anderer Stelle parallel gebraucht wird.

 

 


Praxis

Wir testen den Transpressor mit einem Drumsetup und experimentieren mit unterschiedlichen Einstellungen. Zunächst bearbeiten wir das Snare-Signal. Der Transient Designer macht sofort Spaß, da er sich intuitiv bedienen lässt und somit für schnelle und hervorragende Ergebnisse sorgt. Je nach Signalcharakteristik und musikalischem Kontext lässt sich wunderbar der Attack herausarbeiten oder aber auch der Nachklang der Snare betonen. Durch die Kombination mit dem Parallel-Mix-Regler können wir sehr schnell speziellere Setups umsetzen, wie zum Beispiel eine Snare mit betontem Attack und stark herausgearbeitetem Sustain. Diese Einstellung ist - leicht zum unbearbeiteten Signal hinzugemischt - eine spannende Option, wenn es etwas schmutziger klingen soll. Der Kompressor setzt mit seinen chirurgisch genauen Einstellparametern dagegen auf Knowhow vom Benutzer. Attack und Release arbeiten sehr fein und präzise, gleichzeitig in einem sehr weiten Regelbereich. Die hervorragend laufenden Potis machen sich gerade bei diesen Parametern bemerkbar, die viel Feingefühl verlangen.

 

 

Für unser Snare-Signal zeigen sich die hervorragenden Regeleingenschaften als perfekte Basis für einen effektiven Workflow. Mit wenigen Handgriffen vermag es der Transpressor unterschiedlichste Dynamikcharakteristika abzubilden. Der Kompressor nimmt dabei überwiegend die Rolle eines klangtechnischen Tools ein.

Soll heißen: Er arbeitet extrem präzise, bietet aber in extremeren Einstellungen keine erkennbare eigene Klangästhetik, die einen eigenen musikalisch Wert hätte. Der Kompressor ist ein auf Funktion und Genauigkeit getrimmtes Werkzeug. Wichtig für die Signalbearbeitung im Transpressor ist die Reihenfolge der beiden Prozessoren. Der Kompressor kann, vor dem Transient Designer geschaltet, die Dynamik leicht einengen oder aber mit extrem kurzer Attack-Zeit Transienten abfedern, die dann im Transient Designer wieder mit leicht anderer Charakteristik bearbeitet werden können. Andersherum geht es selbstverständlich auch: Warum nicht den Attack im Transient Designer herausarbeiten, um dann im Kompressor die Feinjustage der Hüllkurve vorzunehmen? Alles ist möglich. Ausprobieren ist angesagt.

Gerade durch die einfache Implementation des Mix-Reglers lassen sich ohne Umwege auch mal unorthodoxe Einstellungen im leiseren Verhältnis zum Originalsignal mischen und wunderbare Ergebnisse erzielen. Für unsere Testaufnahme wollen wir der Snare mehr Punch und gleichzeitig einen obertontreichen Ausklang verpassen. Dafür wurde beim Transient Designer der Attack leicht aufgedreht, der Sustain deutlich stärker. Der nachfolgend geschaltete Kompressor soll Pegelspitzen abfangen und das Signal somit gleichmäßiger ausgeben. Thershold wurde entpsrechend dem Eingangssignal und den lautesten Snare-Schlägen gewählt, denn nur dort soll er eingreifen. Attack und Release werden nach Gehör gewählt. Beim Release sind Snare-Wirbel eine wichtige Orientierung, damit kurz aufeinander folgende Schläge durch den Eingriff des Kompressors nicht unnatürlich klingen. Das Make-Up Gain wurde auf einen Wert gesetzt, der das bearbeitete Signal in identischer Lautsrärke zum Eingangssignal ausgibt. Aufgrund unserer recht stark eingreifenden Einstellung wählen wir einen Mixanteil von nur leicht über 50% gegenüber dem Direktsignal. Insgesamt klingt die Snare immernoch natürlich, sie zeigt aber mehr Zähne und setzt sich sehr gut im Mix durch.

 

 

Für die Bassdrum gilt bei unserem Mix: Wir wollen weniger Ausklang, mehr Definition im Attack und außerdem einen gleichmäßigeren Pegel. Dafür ziehen wir den Parameter Sustain weit zurück und geben etwas Attack hinzu. Fertig ist die Transient Designer Einstellung. Ähnlich wie beim Snare-Signal wählen wir auch bei der Bassdrum die Parameter des Kompressors so, dass die Dynamik etwas kompakter und Pegelspitzen abgerundet werden. Für dieses Setup regeln wir den Mix-Regler auf 100% des bearbeiteten Signals. Das Ergebnis ist eine knackige Bassdrum, die mehr Definition besitzt aber auch mehr Platz für weitere Instrumente im Bassbereich lässt, da sie nun deutlich kürzer ausklingt.

Im Video lassen sich die Auswirkungen der Parameter erkennen. Es lohnt sich wie immer eine gute Abhöre oder Kopfhörer, um die Effekte der Klangbearbeitung zu hören. Wir beschränken uns im Video auf die Parameter des Transient Designers. Der Kompressor als eher technisches und weniger gestalterisches Tool bleibt in seinen Einstellungen fix.


Fazit

Der Transpressor ist eine Waffe für Live-Anwendungen und ein spannendes Tool im Studio. Die kompakte Bauweise, sowie die sinnvollen Schaltmöglichkeiten ermöglichen effektive Eingriffe in die Signale in kürzester Zeit. Die Klangqualität spielt sich dabei auf höchstem Niveau ab. Im Studio ist der Transpressor sicherlich kein Muss, denn der Transient Designer macht in Kombination mit allen möglichen Kompressoren Spaß. Und es gibt Kompressoren, die weniger neutral arbeiten, stärker färben, mehr Obertöne erzeugen und somit musikalischer einsetzbar sind. Wer aber häufiger die Verschaltung von Transient Designer und einem neutralen Kompressor benötigt, findet mit dem Transpressor ein hochwertiges und durchdacht designtes Tool.


Überblick
Dynamikprozessor
einkanalig / mono
XLR- und Klinkenanschlüsse ein- und ausgangsseitig
Netzteil integriert
RJ45-Anschluss zur Stereokopplung zweier Geräte
Frequenzgang 10 Hz - 200 kHz
Gewicht: 3,8 kg
UVP: 1099,00 €

www.spl.info