MIKROFONE

Neumann TLM 103

Neumann TLM 103 Großmembran-Kondensatormikrofon

Man kann das Neumann U87 als einen der Klassiker und Studiostandards weltweit bezeichnen. Kaum ein anderes Mikrofon ist seit seiner Erscheinung vor über 30 Jahren in so vielen Studios für so vielseitige Einsatzzwecke zu finden. Mit dem TLM 103 versucht Neumann den Klassiker erschwinglicher zu machen - ohne Einbußen im legendären, warmen Klang hinzunehmen. Ist das möglich? Unser Test gibt Antworten.




Äußerlich kommt das TLM 103 etwas kompakter daher: Der lange Body des U87, der das äußere Bild eines Großmembran-Studiomikrofons geprägt hat, konnte beim TLM 103 einer deutlich kürzeren Variante weichen. Die Verarbeitung des massiven Gehäusematerials sowie des Korbs sind auf demselben hohen Niveau wie beim teureren Vorbild. Im Stereo-Set, wie wir es vorliegen haben, werden die gemachten Mikrofone mit Spinnen in einem stabilen Alu Koffer geliefert.



VIDEO





Technik

Was neben der Größe nach dem Auspacken aus dem Alu-Case direkt auffällt: Das TLM 103 besitzt keinen einzigen Schalter. Hochpass, Pad oder die Auswahl der Richtcharakteristik sucht man vergebens. Und das ist der entscheidende Unterschied zum großen Bruder. Die Nierencharakteristik ist fix. Während das U87 mittels Doppelmembran dem Tontechniker die Auswahl der Richtcharakteristik überlässt, wird im TLM 103 nur eine Membran verbaut. Diese ist identisch mit der vorderen Membran des U87, sodass Abstriche in der Klangqualität nicht zu erwarten sind. Im Gegenteil: Durch die reduzierte Konstruktion verträgt das TLM mit 135dB SPL sogar 8dB mehr als das teurere Vorbild. Zudem hat es Neumann geschafft, den Dynamikumfang durch ein noch geringeres Eigenrauschen von nur 7dB A zu vergrößern. TLM steht im Übrigen für Transformerless Microphone - also den Verzicht auf einen Ausgangsübertrager. Stattdessen kommt eine Halbleiter-Schaltung zum Einsatz, die zum einen für das geringe Eigenrauschen, aber auch für eine besonders direkte Transienten Wiedergabe verantwortlich ist. Wie sich das in der Praxis äußert, zeigt unser Test im Drumxound-Studio.

Praxis

Wir positionieren das Paar TLM 103 über dem Drumset. Im Video hört Ihr noch ein Sure Beta 52 an der Bass Drum als Stützmikrofon. Die Neumänner sind unproblematisch in der Handhabung. Die Richtcharakteristik ist im Aufnahmebereich gleichmäßig homogen. Schnell finden wir eine Position und einen Abstand zum Drumset, der ideal mit dem Raumklang des Studios harmoniert. Das Ergebnis: Eine feine, detaillierte Wiedergabe mit der perfekten Balance aus Wärme und Offenheit. Vom U87 ist es im Praxishörtest klanglich nicht zu unterscheiden. Die Transienten klingen voll und direkt, aber nie zu spitz. Die Becken zeigen viel Offenheit und der Raumanteil fügt sich perfekt ins Gesamtbild. Das detaillierte Spektrum lässt viele Optionen für EQ-Eingriffe. Was unser Video betrifft: Die Overhead-Spur ist unbearbeitet - bis auf einen ganz leichten Lowcut, damit das Bass Drum-Direktsignal harmoniert.




Fazit

Es ist mehr als erstaunlich, wenn das Versprechen "günstiger bei gleicher Qualität" eingehalten werden kann, wie es Neumann gelungen ist. Natürlich zählt auch Flexibilität zur Qualität eines Mikrofons. Die Beschränkung auf die Nierencharakteristik nimmt dem TLM 103 die Vielseitigkeit, die das U87 bietet. Bedenkt man allerdings den Preisunterschied und den fantastischen Klang kombiniert mit der enormen Pegelfestigkeit, kann man das TLM 103 nur wärmstens Empfehlen.

Stereo Set im Koffer UVP 2433,- €


Übersicht:
Großmembran-Kondensatormikrofon
Druckgradientenempfänger
Richtcharakteristik: Niere
Übertragungsbereich: 20 Hz - 20 kHz
Nennimpedanz 50 Ohm
Ersatzgeräuschpegel, A-bewertet: 7 dB-A
Grenzschalldruckpegel: 138 dB SPL
Speisespannung: 48 V ± 4 V
Gewicht: ca. 450 g

www.neumann.com