MIXER

Mamba Mix

NetworkSound Mamba MIX    In-Ear Monitor Mix System

Musiker und Tontechniker, die auf der Bühne und im Studio über ein iPad die Signal-Level regeln sehen wir inzwischen täglich. Mittlerweile vergößern sich die Anwendungsfelder, die uns die Kombination aus digitaler Audioverarbeitung per DSP, sowie einer drahtlosen und leistungsstarken Kommunikation via WLan und Tablet bieten. So lassen sich Routingmatrixen der SSL X-Patch oder Mixings bei Presonus, Behringer und Mackie per Touch auf dem iPad regeln und abspeichern. Wenn der amerikanische Hersteller NetworkSound nun auch in diesem Metier aktiv wird, sollten wir aufhorchen: Denn NetworkSound gehört zu den weltweit führenden Herstellern professioneller digitaler Routing-Lösungen.

 

 

Das Konzept

Das Mamba Mix

„In-Ear Monitor Mix System" arbeitet nach dem Prinzip analoge Signale digital zu mischen und anschließend auf separate Kopfhörerwege wieder auszuspeisen. Die digitale DSP- Bearbeitung wird vollständig über eine App auf dem iPad, iPhone oder Android-Gerät gesteuert.

Die eine Höheneinheit gibt es in einer Version, die 32 analoge Kanäle aufnimmt und 8 Stereo-Mixe ausgibt, sowie die hier getestet in der halben Konfiguration von 16 eingehenden Kanälen und 4 ausgespeisten Stereo-Mischungen.

Im Prinzip handelt es sich um einen vollwertigen Digitalmixer im 19-Zoll-Format. Natürlich: Effekt- und Routingoptionen sind eingeschränkt, da die Mischungen lediglich für die Kopfhörer der Musiker sein sollen. Neben Pegel- und Panningfunktionen steht lediglich ein parametrischer EQ zur Bearbeitung der Signale zur Verfügung. Das Mixing der Signale erfolgt dann über die kostenlos erhältliche Mamba Mix App für iOS und Android. Wie das funktioniert? Der Tontechniker hat ebenfalls die App, bedient sie jedoch als Admin(instrator), also als die höhere Instanz. Er vergibt Spurnamen und die Passwörter für die Musiker. Im Falle des vorliegenden kleinen Mamba Mix, stehen uns vier Stereo-Mixe zur Verfügung. Es können also vier Musiker ihren eigenen Mix per Handy oder Tablet vornehmen. Die Musiker müssen sich die App herunterladen und können sofort loslegen, nachdem der Admin ihnen jeweils das Passwort genannt hat. Dadurch ist sichergestellt, dass jeder Musiker nur seinen eigenen Mix bearbeiten kann.

 

Hardware-Anschlüsse und Verkabelung

Sowohl die analogen Ein- als auch die Ausgänge liegen rückseitig als D-Sub-Buchse an. Vorn

finden wir noch vier Klinkenbuchsen, die je ein unsymmetrisches Stereo-Mixsignal ausgeben. Außerdem befinden sich auf der Rückseite zwei CAT5-Netzwerkbuchsen. Eine dient dem Anschluss an einen FOH mit entsprechendem Digitaleingang zur Weiterverarbeitung der Signale. Die weitere dem Anschluss an einen WLan-Router, um die Verbindung zu den mobilen Geräten herzustellen.

 

 

Die Verkabelung unterscheidet sich nicht grundsätzlich von der, die man an einem klassischen Mischpult vornehmen würde: Man speist zunächst das Mamba Mix mit den 16 Eingangskanälen - z. B. über die Direct Outs oder Subgruppen des FOH-Pults. Das Signal läuft nun über die AD- Wandler und wird in der DSP-Sektion bearbeitet. Die vier digital erstellten Mixe werden über die DA-Wandler als analoge Audiosignale auf die D-Sub-Buchsen gelegt. Die Handhabung ist ab hier auch wieder identisch mit einem klassischen Pult: Man schickt das Signal dann auf Wireless- Sender für die Inears oder schlicht per Kabel an Monitore oder Kopfhörervorverstärker - je nach Anforderungen an die Live- oder Studiosituation.

 

 

Die Mamba Mix App

Da die gesamte Bedienung über de App läuft, nimmt sie den entscheidenden Teil dieses Tests ein. Hat man einen WLan-Router an die Hardware angeschlossen, zeigen unsere Mobilgeräte sofort ein „Mamba MIX" Netzwerk. Der Tontechniker aka Admin sowie die Musiker können sich unmittelbar mit dem Netz verbinden. Anschließend starten sie die App, die sich problemlos auf unseren Testgeräten installieren lässt.

Der Einstieg in die App verläuft zunächst intuitiv: Man wählt seinen Mix aus, gibt das Passwort ein und blickt schon auf die Fader des Mixers. Grafisch erinnert das Ganze sehr an Software-Zeiten von vor 25 Jahren. Hier waren nunmal Ton- und Digitaltechniker am Werk, keine Grafiker. Aber die Übersicht ist gut - und das ist entscheidend. Zahlen und Schriften sind gut lesbar, die Fader groß und gut zu bedienen.

Im besten Fall haben die Musiker ein iPad dabei, denn auf den kleineren Smartphones fehlen dem Mixer leider manche Funktionen. So muss sich der Smartphone-User damit abfinden, dass er keine Solo-Funktion unter den Spuren findet. Er muss statt dessen alle anderen Spuren muten. Da auf dem kleineren Display natürlich nicht alle Spuren in einen Bildschirminhalt passen, werden die Spuren in Vierer-Gruppen angezeigt und erfordern das seitliche Weiterwischen, um alle Spuren bearbeiten zu können.

Um eine Spur solo zu hören, muss sich also recht umständlich durch alle Spuren und deren Mute-Funktion getippt und gewischt werden. Außerdem fehlt der Smartphone- App schlichtweg die Masterspur. Das ist ärgerlich, da somit auch der EQ auf dem Master nicht anwendbar ist. Auf einem Tablet sieht das schon besser aus: Solo-Funktion und Master-Spur sind selbstverständlich dabei.

Alle aktuellen App-Versionen, unabhängig von der Größe des Mobilgerätes, zeigen noch weitere Eigenheiten, die der Software den Eindruck des Beta-Stadiums verpassen. So lassen sich zum Beispiel keine Stereo-Spuren bearbeiten. Gerade bei Kopfhörer-Mixen ist es üblich, dem Musiker Stereogruppen zur Verfügung zu stellen, um sein Mixing zu vereinfachen. Die Mamba Mix App beherrscht nur Mono-Signale, sodass EQ-Einstellungen für den linken und rechten Kanal einer Stereogruppe „nachgebaut" werden müssen - kopieren lassen sich die EQ-Einstellungen nicht.

Das ist unpraktibel. Immerhin beherrscht die App Multitouch. Die Pegeleinstellungen sind somit mit zwei Fingern für zwei Fader gleichzeitig regelbar. Der Vertrieb kündigte aber bereits ein Update der App an, sodass in der nächsten Version auch die Stereobearbeitung zum Funktionsumfang gehört.

Eine weitere Kleinigkeit, die irritiert, ist die EQ-Aktivierung: Über dem jeweiligen Fader findet sich der Button „EQ". Wer nun glaubt, man können diesen Button antippen, um den EQ zu aktivieren, der irrt. Es erscheint die Fehlermeldung „EQ Error - EQ Musst Be On Before Changing EQ Settings". Was natürlich genau das ist, was man gerade versucht hat. Die Lösung: Den Finger einige Sekunden auf der Fläche gedrückt halten. Das ist insbesondere beim Smartphone aufgrund der kleineren Fläche ungünstig. Die kleinste Fingerbewegung während des Gedrückthaltens genügt und man muss neu tippen und warten.

Für einen Musiker auf der Bühne ist das nicht komfortabel. Außerdem hätten wir uns eine Signalanzeige gewünscht, die uns optisch mitteilt, auf welcher Spur gerade Signal ist. Die fehlende Übersteuerungs-Anzeige geht für den Musiker in Ordnung, er sollte davon ausgehen, dass der Tontechniker ihm ein Signal mit ausreichendem Headroom zur Verfügung stellt. Für den Tontechniker, also den Admin in der App, gibt es diese Funktion jedoch auch nicht. Ob die DSP digital übersteuert, muss er also hören.

Machen diese Widrigkeiten diese App nun zu einer schlechten Wahl für die Bühne und das Tonstudio? Nein, denn die App arbeitet in ihren Grundfunktionen intuitiv und stabil. Und die Grundfunktion ist das Level-Mixing. Bekommt der Musiker bereits gute Subgruppen geliefert, muss er außer den Pegeleinstellungen ohnehin nicht viel machen. Und die App läuft mit perfekter Stabilität.

 

 

 

Klang und Performance

Klanglich können wir dem Mamba Mix gute Eigenschaften bescheinigen. Wandler und digitale Signalverarbeitung arbeiten auf hohem Niveau mit geringen Nebengeräuschen. Zu den kritischen Themen von Digitalsystem zählt auch die Latenz.

Für das Mamba Mix gilt: Das Gerät glänzt mit einer sehr guten Performance und geringsten Latenzwerten, die auf einem Referenzniveau unter den Digitalmischern liegen. Die DSP-Engine benötigt lediglich ein Sample Latenz - besser geht es nicht. Laut Hersteller kommt man auf eine AD-DA-Gesamtverzögerungn von nur 0,45 ms. Auch die Ansprache der App ist sehr schnell: Die Fader-Bewegungen auf dem Touchscrenn werden unmittelbar und ohne störenden Zeitversatz umgesetzt.

 

 

Anwendungsgebiete und Erweiterungsoptionen

Das Mamba Mix eignet sich vor allem für zwei Anwendungsgebiete: Zum einen kann ein Tonstudio den Musikern den Kopfhörermix in die eigenen Hände legen und weiterhin mit der normalen Kopfhörerverkabelung arbeiten. Zum anderen erleichtert das System die Live-Situation, indem die Musiker sich selber mischen, ob für Inear oder den Wedge auf der Bühne.

Besonders interessant ist die Lösung als festes Setup für Bands. Diese wählen dann entweder den größeren Mamba Mix mit Micpreamps oder schließen einen separaten Micpreamp an das Mamba Mix an. Die Band kann dann mit festen Gain- und Monitormix-Settings auftreten und spart somit viel Zeit und Nerven bei Aufbau und Soundcheck. Möglichkeiten für das Signalsplitting für den FOH-Mixer gibt es zu Genüge: Digitalouts am separaten Micpreamp oder Splitterboxen stellen einfache Lösungen dar. Aber auch ohne zusätzliche Micpreamps im eigenen Setup lässt sich das Mamba Mix sinnvoll nutzen: Indem die Direct Outs eines Live-Pults abgegriffen werden, lassen sich in jeder Location drahtlos Mixe per Mobilgerät bewerkstelligen.

Fazit Das Mamba Mix ist ein sehr gutes Konzept und die Hardware funktioniert perfekt. Das Herzstück der Bedienung ist die Mamba Mix App, die insbesondere auf Smartphones aber auch auf größeren Geräten Schwächen in der Ergonomie zeigt. Die Basisfunktionen arbeiten aber ohne Probleme und vor allem mit höchster Stabilität. Wer also über ein paar kleinere Macken in der Bedienung hinwegsehen kann, entscheidet sich mit dem Mamba Mix für ein professionelle Tool, das im Live-und Studio-Betrieb viel Zeit vor der Aufnahme oder dem Auftritt sparen kann.

UVP: 1236,- € plus MwSt.

www.adebar-acoustics.de