PC/MAC

Recording Computer - Teil 1


Wie stelle ich ein gutes System zusammen? Welche Leistungsdaten sind entscheidend? Brauche ich einen Computer mit mehr Prozessorkernen oder mehr RAM? Die Antworten sind so vielfältig wie das Einsatzgebiet,
auf das das jeweilige System zugeschnitten sein sein. Deshalb wollen wir hier Praxistipps für Einsteiger und Profis bieten: Beginnend vom kleinen Home-Recording Setup mit wenigen einzelnen Spuren über die Bandaufnahme im Proberaum bis hin zur professionellen Recording Session im Tonstudio.


Apfel gegen Fenster?


Eine einfache Antwort gibt es auf die PC/Mac-Frage nicht, denn beide Systeme haben Vor- und Nachteile. Klammern wir die Glaubenskriegartigen Diskussionen aus den Internetforen aus, bleiben einige handfeste
Facts, die wir vor dem Kauf beachten sollten: Der PC ist mit seiner Windows Plattform sehr offen und frei konfigurierbar. Windows kann nahezu jede erdenkliche Hardware-Konfiguration handhaben, sodass sich PCs für ganz individuelle Anforderungen zusammenstellen lassen. Weiterhin ist das Softwareangebot für Windows
riesig. Der Mac dagegen ist ein fest vorkonfigurierter Computer, der sich nur in wenigen Spezifikationen beim Kauf tunen lässt: Arbeitsspeicher, Festplatte, Prozessorgeschwindigkeit. Mainboard, Prozessortyp und
Schnittstellen sind beim Mac der jeweiligen Klasse immer vorgegeben. Dafür läuft ein solches System in der Regel sehr stabil. Man läuft nicht Gefahr, inkompatible Komponenten im System verbaut zu haben.

 

                         

Software

Eine Entscheidungshilfe bietet ein Blick auf die Software, die für Audiorecordings relevant ist. Die meisten gängigen Programme sind für beide Systeme erhältlich. Dazu zählen Cubase, Ableton und auch ProTools. Nur für den Mac erhältlich ist Logic seit die Rechte bei Apple liegen. Für welche Software man sich entscheidet hängt von den Faktoren Einsatzgebiet, Kompatibilität zu Kunden und letztlich dem persönlichen
Geschmack ab. Wer hier noch unentschlossen ist, schaut einfach auf die Seite der Hersteller und sucht nach Tutorials auf YouTube, um einen Eindruck der Software zu kriegen. Nicht unwichtig ist die Option, auf einem Mac zusätzlich zum Mac OSX Betriebssystem ein vollwertiges Windows zu installieren. Mittels der Apple
eigenen Software Bootcamp ist die zusätzliche Partition schnell eingerichtet. Damit kann auf dem Mac praktisch jede Software betrieben werden.

 


Treiber

Das Wort allein kann einem schon Kopfschmerzen bereiten: Die Treiber. Hinter dem Begriff verbirgt sich eine Software, die eine Hardwarekomponente - in unserem Fall zumeist das Audiointerface - mit dem Betriebssystem kommunizieren lässt. Der Treiber ist maßgeblich dafür verantwortlich, ob euer System stabil und schnell läuft oder nicht. Nicht immer sind die Treiber, die der Hersteller eines Audiointerfaces dem Gerät mit beilegt perfekt. Unter Windows bestehen zudem mehrere Optionen die Hardware anzusteuern: ASIO, Direct X und andere Protokolle können das erste Einrichten der Hardware zu einem langwierigen Prozess machen. Apple hat für den Mac das Audio Core System im Betriebssystem integriert, was bislang erstaunlich zuverlässig funktioniert. Allerdings sind nicht alle Audiointerfaces für den Mac erhältlich. Ist erstmal ein System eingerichtet, spielt es danach keine Rolle mehr, ob es auf dem Mac läuft oder auf dem Windows PC. Dennoch hat Mac OSX gegenüber Windows 7 mit dem Core System die einfachere Lösung on Board.

 


Schnittstellen

Der Vielseitigkeits-Award geht klar an den PC. Ein Windows-PC kann praktisch jede Konstellation an Schnittstellen verwalten. Relevant für unsere Audioumgebung sind grundsätzlich die Anbindung vom
Audiointerface zum Computer und bei einem Laptop die Anbindung einer externen Festplatte. Das Interface schließen wir für gewöhnlich über USB 2.0, FireWire oder bei einem Desktop Rechner über eine PCI Karte an. All diese Optionen bieten sowohl Mac als auch PC. In Zukunft werden sich aber auch neue Schnittstellen etablieren. Auf der Windows Seite wären das USB 3.0, beim Mac das neue Thunderbolt. Beide Schnittstellen übertreffen die Übertragungsraten der bisher üblichen Varianten, wobei Thunderbolt noch schneller ist als USB 3.0. An dieser Stelle muss man dann aber doch die Kirche im Dorf lassen: Selbst mit USB 2.0 können schon entspannt 16 Audiospuren in CD Qualität übertragen werden. FireWire 800 schafft in der Praxis in etwa die doppelte Übertragungsrate von USB 2.0. Die Interfaces der nächsten Generation werden mit USB 3.0 und Thunderbolt mehr Datendurchsatz leisten können als die meisten von uns das je brauchen. Und für den professionellen Einsatz empfiehlt sich ohne eine fest installierte PCI Karte in einem Desktop Computer. Hier erreichen wir ein und ausgangsseitig je nach Produkt bis zu 64 Kanäle in 24 Bit und 192 Khz. Beim Laptop sollte für eine stabile Mehrspuraufnahme eine externe Festplatte verwendet werden. Hier sollte es für eine gute Performance schon eine FireWire 800 Anbindung sein. Noch leistungsstärker ist die eSATA Schnittstelle. Die sucht man beim Mac allerdings vergeblich, bei Windows PCs ist sie längst Standard.

 


Budget

Was das Preis-Leistungsverhältnis angeht, scheint der Mac auf den ersten Blick teurer als ein Windows PC mit gleichen oder ähnlichen Merkmalen zu sein. Das relativiert sich, wenn man ins Details geht. So findet man im Mac stehts die hochwertigen Controller zur Schnittstellenanbindung wie FireWire oder USB auf dem Mainboard. Der Mix aus aktiven und passiven Kühlungselementen ist im Mac sehr gut abgestimmt, sodass die Rechner auch unter hoher Last sehr lange stabil arbeiten. Legt man bei einem Windows PC bzw. Laptop auf solche Aspekte Wert, nähert man sich preislich den Macs an. Welche konkreten Hardwaresetups für welches Einsatzgebiet geeignet sind und welche Macs für den jeweiligen Anspruch passen, berichten wir
im zweiten Teil unseres Recording Computer Workshops.

Tobias Thiele