SOFTWARE

Waves Abbey Road Collection

Waves  Abbey Road Collection


Audio-Plug-In's
 
Die Marke Abbey Road Studios steht bis heute für ausgezeichnete Qualität in Sachen Audio-Technik, -Bearbeitung und -Klang. Nicht umsonst ist dieses Studio nahezu jedem angehenden, oder praktizierenden Tontechniker bis heute ein Begriff und jeder kennt die Klassiker, welche das Studio zu einer Legende gemacht haben. In Gedenken an die Zeit, in der Tontechniker noch mit weißen Kitteln arbeiteten und die Tontechnik weit entfernt vom heimischen Arbeitszimmer war, haben bereits einige Hersteller den Sound von damals nachzubilden versucht. Auch der renommierte Plug-In-Hersteller Waves hat eine Sammlung von Nachbildungen einiger legendärer analoger Schätze aus den Abbey Road Studios im Angebot. Wir werden diese Abbey Road Collection auf Klang und Funktion prüfen.
 

Umfang

Die Abbey Road Collection besteht im wesentlichen aus 6 einzelnen Plug-In's.

Reel ADT
Das Reel ADT (Artificial Double Tracking)-Plug-In ist die digitale Umsetzung des Dopplungseffektes, der speziell für die Beatles von Ken Townsend entwickelt worden ist und den die Beatles seinerzeit populär gemacht hatten. Hier wird die Zusammenschaltung zweier Bandmaschinen simuliert, welche ein Signal zeitversetzt wiedergeben, sodass der Eindruck entsteht, der Sänger hätte eine tatsächliche zweite Dopplung eingesungen. Dieser Effekt wird durch die Verzögerung, sowie durch klangliche Veränderungen der Originalspur durch die Simulation von Röhrensound, Bandsättigung und Geschwindigkeitsschwankungen erreicht.





J37
Mit dem J37 bringt Waves eine Nachbildung der klassischen Bandmaschine der Abbey Road Studios, der Studer J37 an den Start. Hier lässt sich neben gewöhnlicher Bandsättigung noch einiges anderes an klangverändernden Features aktivieren. So findet man neben der Möglichkeit, durch Eingangs- und Ausgangslautstärke den Anteil an Bandsättigung zu kontrollieren, ebenfalls zwischen mehreren Arten von Tape, Geschwindigkeiten und Bandvorsättigungen umschalten, um den Effekt der Sättigung zu variieren. Ein eingebautes Tape-Delay bietet zudem die Möglichkeit, das Plug-In auch als Delay zu nutzen und die Optionen zu Wow und Flutter lassen dem Anwender schließlich alle Möglichkeiten offen, sein gewünschtes, mehr oder weniger stark durch den Bandmaschinensound gefärbtes Ergebnis zu erzielen.




REDD.17, .37 & ,51
Mit der Redd-Serie wagt sich Waves an die Emulation der legendären Mischpulte aus den Abbey Road Studios. Die in den späten 1950er bis 1960er Jahren entwickelten Mischpulte haben den Klang der Produktionen der Abbey Road Studios geprägt und diese zu den bis heute erfolgreichsten Alben weltweit gemacht. Innerhalb des Bundles bietet Waves die Emulation dieser drei leicht unterschiedlichen Pulte, welche neben den ebenfalls klassischen V72-Vorverstärkern auch durch den Klang der integrierten EQ's, sowie der baubedingten Sättigung ausgezeichnet werden.




RS56
Mit der Simulation des EMI RS56 Equalizers ist ein weiterer Klassiker aus dem Fundus der Abbey Road Studios mit im Programm. Der dreibandige EQ bietet pro Band vier wählbare Frequenzen, sechs verschiedene Filtereinstellungen, sowie die Möglichkeit, das Frequenzbild um 20 dB anzuheben, oder abzusenken. DIe Art der Bearbeitung lässt sich also zwischen sehr fein und eher breitbandig und musikalisch variieren. Diese klassischen Features werden um einige moderne Funktionen, wie ein Display der Frequenzkurve, einer Ausgangssteuerung, einem Phasendreher, sowie verschiedenen Möglichkeiten der Bearbeitung, inklusive M/S-Matrizierung, erweitert.




TG12345
Neben den bereits vorgetellten REDD-Konsolen spielten auch die EMI-Konsolen in den Abbey Road Studios eine große Rolle. Mit dem TG12345-Plug-In ist in dieser Zusammenstellung auch ein Channelstrip eines dieser klassischen Mischpulte vorhanden. Hierbei wurden alle Positionen des originalen Kanalzuges integriert. Angefangen mit einer Simulation des Eingangsverstärkers, welcher es dem Nutzer ermöglich, sein Signal virtuell auf der Konsole "heiß" zu fahren, über die Dynamik- und EQ-Sektion, bis hin zu verschiedenen Routing-Optionen und der Möglichkeit, das Eigenrauschen, sowie die bauartbedingte Verzerrung des Signals zu realisieren, hat der Anwender die Gelegenheit, sein Signal mit dem Klang der analogen Originale zu versehen.




The Kings Microphones
Unter der Bezeichnung "The Kings Microphones" bietet Waves innerhalb des Bundles hier die Möglichkeit, den Sound von den unikaten Mikrofonen vergangener englischer Könige nachzubilden. Insgesamt stehen drei Mikrofone (King George V, King George VI, Queen Elizabeth) mit den genauen Eigenschaften der Abstimmung auf den jeweiligen Adeligen zur Verfügung. Zu jedem Mikrofon gibt es zudem drei Presets verschiedener Mikrofonierungsarten (Close, Ambient, Natural). Die jeweilige Kurve wird durch das Plug-In dann auf das aktuelle Signal gelegt (was nicht zwingend ein Sprachsignal sein muss!). So lassen sich einerseits die Klänge verflossener Herrscher auf moderne Stimmaufnahmen anwenden, andererseits aber auch interessante Effekte beim Einsatz (als Ersetzungs-, oder auch Zumischeffekt) wo auch immer die Kreativität hinfällt, erzeugen.


 
 


Anwendung und Klang

Jetzt, da der Umfang des Abbey Road Paketes kurz beleuchtet wurde, wollen wir uns den Einzelheiten der verschiedenen Plug-In's widmen und im Detail beleuchten.


Reel ADT

Das ADT-Plug-In kommt in drei verschiedenen Varianten (abgesehen von der Möglichkeit, jede einzelne Variante als mono, sowie mono to stereo Plug-In einzubinden. Es gibt das klassische ADT, eine ADT-Live-Version, sowie die ADT2V-Version, mit der gleich zwei virtuell gedoppelte Signale erzeugt werden können.

Das Plug-In an sich ist sehr simpel aufgebaut und schnell zu begreifen und zu bedienen. Die Haupteinstellung des Plug-In's wird im oberen Bereich vorgenommen. Hier sieht man ganz oben die Position des Orignalssignals bei 0ms. An der unteren Skala, welche in ms angegen ist, befindet sich ein "Schieber" für das gedoppelte Signal, welches frei von -20ms bis hin zu +20ms geschoben werden kann und die zeitliche Abweichung vom Originalsignal angibt. Hier lässt sich alles zwischen Kammfiltereffekten bis hin zu einer deutlich hörbaren Dopplung im Sinne einer Art Slap-Delay einstellen. Das wesentliche Element, was dieses ADT-Plug-In so besonders macht ist zentral in der Oberfläche abgebildet und ist als "Varispeed" bezeichnet. Hier kann man die Abweichung des gedoppelten Signals von der zuvor eingestellten Abweichung, wiederum im Bereich von -20ms bis +20ms einstellen. Im Range-Feld lässt sich dieser Bereich auch verkleinern. Der Varispeed-Regler bewirkt eine Abweichung der künstlichen Dopplung von ihrer fix eingestellten Funktion. Unmittelbar nach Veränderung des Varispeed-Reglers ist eine Klangveränderung festzustellen. Das Signal wirkt deutlich lebendiger und "echter". Eben, als wäre eine tatsächliche Dopplung  mit Ton- und Geschwindigkeitsschwankungen eingesungen worden.

Unterhalb des Varispeed-Reglers lässt sich durch die Latch- und Touch-Schalter einstellen, ob der Varispeed-Regler an seiner letzten Einstellung verweilt, oder wieder auf 0ms zurückspringt. Die eigentliche "Lebendigkeit" der zweiten Dopplung wird durch den LFO erzeugt, welcher in einer bestimmten Range und Rate auf den Varispeed-Regler einwirkt und ihn konstant moduliert. So verändert sich die Wiederholung jederzeit und bleibt "in Bewegung". Die Werte des LFO lassen sich unterhalb des Varispeed-Reglers einstellen, sollten allerdings nicht zu stark verändert werden, sonst wird der Klang eindeutig zu "leierig" und unpräzise. Das gilt generell für das gesamte Plug-In. Leichte Veränderungen wirken hier deutlich realistischer, als grobes Eingreifen. Also immer mit Vorsicht arbeiten!
Die Einstellmöglichkeiten des Reel ADT-Plug-In's werden links und rechts des Varispeed-Reglers mit Lautstärkereglern für das Original, sowie das gedoppelte Signal, Mute- und Phasendreh-Schaltern, sowie jeweils einem Drive-Regler zur Ergänzung von Sättigung ergänzt. Je nach Einstellungen lassen sich hier sehr interessante Effekte, nicht nur für den Einsatz auf Stimmen generieren. Unbedingt ausprobieren und experimentieren!
 


J37

Die Imitation der legendären Studer J37-Bandmaschine, auf der bis in die 70er Jahre mit Sicherheit mehrere tausend bekannter Platten aufgenommen wurden, wurde ebenfalls von Waves in digitaler Form für die Ewigkeit konserviert. Im Gegensatz zu der ADT-Umsetzung ist die Modellierung von Bandmaschinen im Rahmen der Plug-In-Erstellung keine absolute Neuheit und wurde schon von anderen namhaften Programmier-Schmieden umgesetzt. Aber auch hier scheint Waves die Nase vorn (oder zumindest mit im Führungskader) zu haben, da das J37-Plug-In durch viele interessante Funktionen, welche teilweise auch deutlich über die reine Simulation von Bandsättigung hinaus gehen, überzeugt.
Beim ersten Öffnen erwartet den Nutzer eines standesgemäße grafische Nachbildung der typischen Bandmaschinen-Oberfläche, welche bei Wiedergabe des Audiomaterials natürlich auch animiert wird. Unterhalb dieser grafischen Spielerei befinden sich zwei Reihen mit Einstellmöglichkeiten, welchen wir uns näher widmen werden.

Die Basis des Plug-In's stellen die in der oberen Reihe mittig platzierten IN- und OUT- Lautstärkenregler dar. Hier regelt man den Eingangs-, sowie den Ausgangs-Pegel der Bandmaschine. Insbesondere wird über den Eingangspegel der Anteil der Bandsättigung geregelt, während der Ausgangspegel die Lautstärke des Signals kontrolliert. Als sehr angenehm überzeugt die Möglichkeit, diese beiden Levels zu linken, sodass die Regler sich umgekehrt proportional bewegen und man die Lautstärke des Signals beibehält, während man die Bandsättigung variiert. Bereits ohne weitere Feineinstellungen erhalten wir so einen angenehmen Bandmaschinen-Sound, bis hin zu relativ starker Verzerrung, je nach Input-Pegel. Durch mehrere unterschiedliche Einstellungen lässt sich der Sound hier noch verändern. So gibt es die Möglichkeit, unter "Formula" auf der linken seite der oberen Reihe zwischen drei verschiedenen Arten von Magnetband zu wählen, jedes der drei Bandtypen bringt hierbei einen ganz speziellen eigenen Sound mit, definiert durch einen eigenen Frequenzgang, sowie eigene Reaktionen auf Übersteuerung. Bereits mit dieser Funktion ist Waves vielen anderen Bandmaschinen-Emulationen um einen Schritt voraus. Diese Funktion wird ergänzt durch die Möglichkeit, zwischen zwei Geschwindigkeiten (7,5 und 15ips) zu wählen. Auch hier werden unterschiedliche Frequenzkurven umgesetzt, dies merkt man vor allem im Höhenbereich. Unter Bias lässt sich virtuell die Vormagnetisierung des Bandes beeinflussen und so noch mals der Sound abändern. Zu guter Letzt lässt sich in der unteren Reihe rechts noch zwischen der Modellierung von 2 oder 3 Spuren der Bandmaschine wählen, was die Stärke des Eingestellten Effektes reguliert und uns wie eine Art Erhöhung eines Dry/Wet-Reglers vorkommt. Dies sind die Basisfunktionen des J37-Plug-In's, mit denen man sich bereits Stunden beschäftigen und seinen Sound in alle möglichen Richtungen der analogen Welt verändern kann.

Das Plug-In bietet allerdings noch mehr. So lassen sich auf der unteren linken Seite zusätzlich zum Bandsättigungs-Sound auch noch die bauartbedingten Schwankungen in Geschwindigkeit und Tonhöhe (Wow und Flutter) simulieren. Realisiert wird dies über einen LFO, den wir bei beiden Parametern über die Regler Rate und Depth einstellen können. Hier sollte man nicht übertreiben, da man sonst schnell weg von einem realistischen Ergebnis driftet. Zusätzlich zu diesen Funktionen lässt sich über separate Regler Noise hinzumischen und es gibt einen separaten Saturation-Regler, welcher nochmals Verzerrungen und eine angenehme Kompression hinzufügt.
Aber auch das war Waves noch nicht genug. Schließlich wurde auch noch die Möglichkeit integriert, J37 als Delay zu nutzen. Die hierfür benötigten Einstellungen werden auf der rechten Seite des Plug-In's getätigt. Man kann eine Delay-Zeit in ms angeben, oder aber das Delay zum in der DAW eingestellten Tempo syncen, man kann zwischen Slap- und Feedback-Delay wählen, Filter für die Höhen und Bässe einstellen, zwischen einer Insert (Mischung aus Wet und Dry) und einer Send/Return (100% Wet)- Version wählen und die Lautstärke anpassen. Somit ist also ebenfalls alles an Bord, was für einen schönen Delay-Effekt mit Bandmaschinen-Sound benötigt wird.
Insgesamt präsentiert sich das Plug-In als klanglich absolut überzeugend, sowie absolut vielfältig. Auch hier kann man gut und gerne mehrere Stunden ins experimentieren investieren.
 


REDD .17, .37 & .51

Auch die Imitation der Studiokonsolen aus den weltbekannten Studios ist Waves sehr überzeugend gelungen. Geliefert werden zwei separate Plug-In's. Das erste beschränkt sich mit der Emulation der REDD .17, während im zweiten die Versionen .37 und .51 kombiniert werden. Diese Aufteilung ist in der Entwicklung der echten Konsolen seiner Zeit begründet, da REDD .17 und .37 sich in Ihrer Bauart unterschieden, die REDD .51 allerdings nur über andere Vorverstärker verfügte.
Die Channelstrips sind ähnlich aufgebaut, wir beginnen mit dem .17er Modell. Der Kanal gliedert sich in zwei Hälften, wir beginnen mit der Betrachtung rechts unten, um der klassischen Aufbauweise von modernen Channelstrips zu folgen. Direkt nach der Wahlmöglichkeit, ob es sich um ein mono, oder ein stereo-Signal handelt, folgt der Gain-Regler. Hier wird der Vorverstärker-Sound des REDD-Pultes simuliert, der dem Signal von vornherein auf subtile Art und Weise Obertöne und eine leichte Sättigung hinzufügt. Direkt darüber lässt sich per Schalter wählen, ob man ein PAD hinzuschalten möchte (je nach Pegel des Gain-Reglers sinnvoll), das Signal neutral belassen möchte, oder aber eine Bassanhebung realisieren möchte. Diese wirkt sehr musikalisch auf den Bassbereich und gefällt sehr gut! Abgeschlossen wird die linke Channel-Sektion durch zwei Shelving-Filter für den Bass- und den Höhenbereich. Auch diese wirken sehr dezent und musikalisch auf das Signal ein. Abgeschlossen wird der Kanalzug durch die Klangregelung auf der rechten Seite. Hier lässt sich die Stärke der Verzerrung regulieren. Es sind Einstellungsmöglichkeiten zwischen unbearbeitet und komplett zerstört gegeben, hier gilt es wieder achtsam zu sein! Die Voreinstellung von -6dB Drive erscheint uns als sinnvolles Mittelmaß und gute Ausgangsposition. Über den Analog-Regler lässt sich Rauschen hinzufügen, welches alten analogen Schätzen sehr schön nachempfunden ist und dem bearbeiteten Signal tatsächlich etwas Vintage-Charme einhaucht. Zu guter Letzt lässt sich durch einen Fader in Original-Optik die Ausgangslautstärke kontrollieren.



Das Plug-In REDD .37 & .51 liefert eine digitale Version des Nachfolgers der .17er Konsole. Die Veränderungen gegenüber dem Vorgängermodell entsprechen hierbei den Originalen. Der Channelstrip beginnt mit der Qual der Wahl zwischen den verschiedenen Vorverstärker-Typen der REDD .37 und .51. Die .51 soll im Gegensatz zur .37 verzerrungsärmer sein und einen größeren Headroom besitzen. In der Praxis konnten wir diesbezüglich zwischen den beiden Modellen keinen Unterschied feststellen. Darauf folgend kann auch hier, neben der Möglichkeit zwischen stereo und mono auszuwählen, die Vorverstärkung geregelt werden. Wie an der .17 Konsole folgt dann der Wahlschalter für die Dämpfung, die Bassanhebung, oder die Neutralität des Signals. Die EQ-Sektion lässt sich mit +/- 10dB  im Gegensatz zum Vorgängermodell (+/- 6dB) etwas extremer einstellen, verliert allerdings nicht ihren musikalischen Klang. Zudem gibt es hier die Möglicheit, über den Pop/Classic-Schalter den High-Shelf-Filter in einen Bell-Filter zu verwandeln. Komplettiert wird der Kanalzug erneut durch einen Drive- und einen Analog-Regler, welche Verzerrung und Grundrauschen hinzufügen und so das Signal weiter färben können.
Die REDD-Plug-In's bieten sehr überzeugende Imitationen der Originalkonsolen und lassen den Nutzer auch moderne Aufnahmen mit einer Art von analoger Wärme versehen. Wie bei den restlichen Plug-In's sollte man allerdings auch hier darauf achten, dass zu viel des Guten auch zu einem schlechteren Ergebnis führen kann. Hier gilt erneut: Subtilität statt 'viel hilft viel'!
 


RS56

Der EMI-Equaliser der zur damaligen zeit in den Abbey Road Studios verwendung fand wurde für die heutigen Anforderungen etwas angepasst und bringt so den Sound der 60er und 70er in mordernem Gewand in die DAW's. Pro Einheit hat man drei Bänder zur Verfügung. Jedes dieser drei Bänder hat prinzipiell die selben Einstellungsmöglichkeiten. Man kann pro Band zwischen 4 Frequenzen wählen, die jeweils Bearbeitet werden. Die Frequenzaufteilung ist hierbei bis in den Höhenbereich oktaviert aufgeteilt, im oberen Band sind die Schritte in halben Oktaven gestaffelt. So hat man die Möglichkeit das komplette Frequenzspektrum zu bearbeiten. Der Grad der Bearbeitung lässt sich über einen separaten Regler in 6 Stufen einstellen. Hier stehen in jedem Band unter "High End" und "Low End" Shelving Filter zur Verfügung, abgerundet wird die Auswahl durch 4 Bell-Filter unterschiedlicher Flankensteilheit. Die Bezeichnung in diesem Bereich lauten (von breiter bis hin zu schmaler Flankensteilheit) Blunt - Med Blunt - Med Sharp - Sharp und bieten für jede Anwendung eine passende Option. Der dritte Regler bestimmt schließlich die Stärke der Anhebung oder Absenkungen in einem Bereich von +/-20dB. Hier lässt sich also jedes Signal beliebig stark verformen und bearbeiten, bis hin zu einer Gestaltung, die nicht mehr als musikalisch bezeichnet werden kann. Dies soll allerdings nicht negativ sein, bietet der RS56 lediglich die Möglichkeiten, die vorliegenden Signale auch sehr stark zu verändern.

Der Klang des Equalisers zielt natürlich auch auf die klanglichen Eigenschaften des analogen Vorbildes und fügt dem Signal neben der Veränderung des Frequenzbildes ebenfalls eine mehr oder weniger starke Sättigung und Verzrerrung hinzu, die allerdings stets angenehm wirkt.
Für die moderne Anwendung wurde dem EQ eine optische Anzeige des Frequenzbildes hinzugefügt, sowie die Wahmöglichkeit zwischen Stereo-, Dual-Mono und M/S-Bearbeitung. Gerade in der M/S-Variante, welche dem Anwender separate EQ- und Lautstärke-Regelung für Mitten- und Seitensignale bietet, wird der EQ auch für Mastering-Anwendungen interessant.
Der RS56 ist somit ebenfalls, zumindest zur dezenteren bis moderaten Bearbeitung zu empfehlen, sollte eine extreme Klangbearbeitung nötig sein, würden wir eher zu einem moderneren EQ tendieren.
 


TG12345


Das TG12345-Plug-In ist eine Nachbildung der legendären EMI-Konsole, welchen neben den REDD-Pulten ebenfalls häufig in den Abbey Road Studios Verwendung fand. Innerhalb dieser Software wurden alle Bestandteile dieses analogen Klangwunders für die digitale Welt nutzbar gemacht.
Der Kanalzug beginnt auf der linken oberen Seite klassisch mit einem Input-Regler, welcher den Sound der originalen Vorverstärker emuliert. Unserer Meinung nach ist bereits diese Sektion das Plug-In wert. Das "heiß fahren" des virtuellen Preamps beschert uns ohne weitere Einstellungen einen schönen, warmen und analogen Sound, der unser Frequenzbild auf angenehme Art und und Weise abrundet und eine leichte Sättigung liefert. Die darauf folgende Dynamik-Sektion vermag ebenfalls mit wenigen Einstellmöglichkeiten beeindruckende Ergebnisse zu liefern. Die Wahl des Modus aktiviert die Dynamik-Sektion und bietet zwei unterschiedliche Ratio-Einstellungen (Comp und Limiter). Bereits nach Aktivierung dieser lässt sich über die Verstärkung am Input-Regler eine unterschiedlich starke Kompression bewirken. Statt eines Threshholds ist an der TG12345 ein "Hold"-Regler verbaut, der allerdings ähnlich eines Threshhold-Reglers funktioniert und die Kompression bei einer höheren Stellung abschwächt. Unter Recovery stehen 6 unterschiedliche Release-Zeiten zwischen 100ms und 4s zur Verfügung. Die Dynamik-Sektion wird (in Anpassung an moderne Bedürfnisse) mit einem Sidechain-Lowcut-Filter und einem Mix-Regler abgerundet, welcher eine Parallelkompression innerhalb des selben Kanals möglich macht. Auch die Dynamik-Sektion weiß voll und ganz zu überzeugen und ist ein klares Argument für dieses Plug-In.

In der mittleren Abteilung des Plug-In's befindet sich die Klangregelung. Der integrierte EQ ist in zwei Shelving-Filter für den Bass- und den Höhenbereich, sowie einen halb-parametrischen Bell-Filter für den Mittenbereich (hier als Presence bezeichnet), unterteilt. Die Filter bieten eine Spannweite von +/-10dB und wirken zu jeder Zeit sehr breitbandig und musikalisch auf das Material ein. Der Presence-Filter lässt sich zusätzlich noch in seiner Frequenz in 8 Stufen zwischen 500Hz und 10kHz einstellen. Der EQ verfügt über einen Bypass-Regler, zusätzlich gibt es nocht eine Routing-Option, welche die interne Schaltung des Channelstrips variiert. Hier sind die Shelving-Filter, sowie der Presence Filter einzeln aufgeführt und es werden drei Einstellungen (EQ-DYN-PRES, DYN-EQ-PRES und EQ-PRES-DYN) angeboten, um die Kette der Bearbeitung weiter zu beeinflussen.
Auf der rechten Seite des Plug-In's ist die Mastersektion des Kanalzugs beheimatet. Hier hat Waves ebenfalls im Gedenken an die modernen Anwendungsmöglichkeiten die Funktionen des klassischen Pultes um einige nützliche Features erweitert. So verfügt das TG12345 Plug-In, genau wie der RS56 über die Möglichkeit der M/S-Bearbeitung mit samt separater Klangbearbeitung, Lautstärkeregelung und Verzerrung. Sehr schön! Zusätzlich lässt sich Rauschen hinzufügen und der bereits in der originalen Konsole auf sehr große Beliebtheit gestoßene Spread-Regler bedienen, welcher das Stereobild auf sehr angenehme Art und Weise verbreitern kann.

Das TG12345 Plug-In ist unserer Meinung nach der absolute Knaller innerhalb der Abbey Road Collection und ein absolutes Must-Have. Hier wird eine durchweg beeindruckende Leistung gezeigt, sowohl auf Seiten der Sättigung durch die Emulation der Vorverstärkung, der Dynamik-Sektion, der Klangbearbeitung, als auch bezüglich der Möglichkeiten der M/S-Bearbeitung und Stereoverbreiterung.
Ein echter Alleskönner und eine absolute Geheimwaffe in Sachen Vintage-Sound!
 


The Kings Microphones

Das "The Kings Microphones"-Plug-In ist von der Idee her eine sehr ungewöhnliche Umsetzung. Hier wurden die klanglichen Eigenheiten der speziell auf verschiedene britische Herrscher zugeschnittenen Mikrofone konserviert und in digitaler Form umgesetzt. Was dadurch möglich wird, ist quasi die Simulation der Aufnahme durch ein solches Mikrofon von jedem beliebigen aufgenommenen Signal. Das Plug-In liefert also eine feste Verfärbung des Klangs bezüglich des Frequenzbildes, Verzerrung, Sättigung und Rauschen je nach Eingangspegel. Innerhalb des Plug-In's wurden drei Mikrofone mit jeweils unterschiedlichen Besprechungsentfernungen nachgebildet. Es handelt sich um die Mikrofone von King George V, King George VI, sowie Queen Elizabeth. Jedes der Mikrofone wurde dann mittels naher Besprechung (Close), eher räumlicher Ausrichtung (Ambient), sowie natürlicher Ausrichtung (Natural) abgebildet, was insgesamt 9 unterschiedliche Klangfarben ergibt.




Zu dem Klang an sich ist festzuhalten, dass die "Close"-Variante bei jedem Mikrofon sehr nasal, dünn und mittenbetont daherkommt, während die "Ambient"-Auswahl ein schon realistischeres Ergebnis liefert. Am natürlichsten klingt - wer hätte das gedacht - tatsächlich die "Natural"-Variante, welche aber dennoch das Signal sehr auf Vintage färbt.
Während dieses Plug-In in seiner Anwendung auf Gesang und Sprache unserer Meinung nach höchstens im Postproduktions-Bereich, oder aber beim Liefern witziger Stimm-Effekte im Bereich moderner Musik Anklang finden dürfte, können wir hier ebenfalls das Experimentieren empfehlen. Auf so manchem Instrument kann dieses Plug-In einen angenehmen Effekt erzeugen, den zu erzeugen man vermutlich mit sonstigen EQ und Saturation-Plug-In's nicht direkt ausprobiert hätte. Mindestens zum Zumischen ist es den Versuch auf jeden Fall wert.
Unserer Meinung nach ein nettes Extra zum Herumspielen, allerdings kein Muss für jeden Engineer.


 

Lizenz

Via des auf der Waves Internetseite herunterzuladendem Waves License Center wandern die erworbenen Lizenzen in windeseile auf einen angeschlossenen iLok, oder aber auf den Rechner selbst und sind ab dann einsatzbereit. Sehr einfache Handhabung, wenn auch ein extra Programm dafür notwendig ist.
 

Fazit

Mit der Abbey Road Collection bietet Waves ein Paket an Vintage-Power, das dem Nutzer ermöglicht, auch innerhalb der oft als kühl empfundenen digitalen DAW-Welt ein wenig analogen Flair zu versprühen. Die mitgelieferten Plug-In's lassen dabei das moderne und sehr saubere Material schnell wie auf alten Konsolen bearbeitet klingen. Ein Muss für Analogfetischisten, die Ihrem Stil auch heute treu bleiben wollen. Gerade das ADT-Plug-In, die J37 Bandmaschinen-Emulation, sowie der TG12345 Channelstrip haben uns absolut überzeugt und sind ein klares Argument für dieses Bundle. Abgerundet wird das Angebot durch die digitalen Verwandten der legendären REDD-Konsolen, dem EMI RS56 Equaliser, der sich durch Waves' Anpassung an die heutige Zeit auch zum M/S-Mastering eignet, sowie die nette Simulation verschiedener "adeliger Mikrofone", welche nicht nur Sprachsignalen einen altertümlichen Touch verpassen und sich damit nicht nur zur Postproduktion eines Films der späten 1800er Jahre eignen!
Die Drumxound-Redaktion rät für jeden, der weg von kühlen Einsen und Nullen will, aber dennoch auf das Mischen im Rechner angewiesen ist: Zuschlagen!
 

Features

Waves Abbey Road Collection
Plug-In's zur Audiobearbeitung
6 Plug-In's
Artificial Double Tracking Dopplungs-Plug-In
J37 Studer-Bandmaschinen-Emulation
REDD-Konsolen-Simulation
TG12345-Konsolen-Simulation
EMI RS56 EQ
The Kings Microphones-Klangeigenschaften
Schnittstellen: AU, VST, VST3, RTAS, AAX
Betriebssysteme: MAC & PC
UVP: 769,-€

www.waves.com