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Fabfilter Pro Q2

FabFilter Pro Q2

Audio-Plug-In
 
Hinter FabFilter verbirgt sich eine niederländische Firma, die bereits seit einigen Jahren hochwertige Plug-In's herausbringt, welche sich wachsender Beliebtheit erfreuen. Vor dem ProQ 2 gab es bereits einen Satz von "Standard-Mixing und -Mastering Plug-In's". Zu diesen gehörten: EQ (ProQ), Limiter (ProL), Multiband Kompressor/Expander (ProMB), Kompressor (ProC), Deesser (ProDS), sowie ein Gate (ProG). Neben diesem Angebot veröffentlichte FabFilter ebenfalls einige Effekt-Plug-In's und Klangerzeuger. Das neuste Werk aus dem Hause FabFilter ist der neue Equaliser, der ProQ 2, der gegenüber dem ProQ einige Neuerungen und Vorteile mit sich bringt. Wir haben den ProQ 2 unter die Lupe genommen.
 

Funktionsumfang

Der ProQ 2 ist auf den ersten Blick ein gewöhnliches EQ-Plug-In, wartet allerdings bei näherem Hinsehen mit interessanten und pfiffigen Features auf, die so manchen klassischen Equaliser in den Schatten stellen.
Unmittelbar nach Öffnen des Plug-In's fällt auf, dass es zunächst keinerlei offensichtlichen Bedienelemente gibt, beispiels weise eine Anzahl X von parametrischen Bändern mitsamt allen Einstellungen, die dafür nötig sind. Dies ist weit abseits von der Gestaltung klassischer, analoger Equaliser, wirkt allerdings sehr interessant und intuitiv, da der Bearbeitung offensichtlich keine werksseitigen Limits gesetzt sind. Bewegt man den Mauszeiger in Richtung der, zunächst noch linear verlaufenden Frequenzkurve, taucht bei Kontakt mit der Linie ein gelber Punkt auf, der durch Klicken in einen aktiven Filter umgewandelt wird. Sogleich erscheint ein Feld mit Bearbeitungseinstellungen. Hier lassen sich dann die klassischen Parameter eines Equalisers bedienen.

Diese Einstellungsmöglichkeiten gehen allerdings bei Weitem über den Funktionsumfang alteingesessener EQ's hinaus. Zunächst wählt man die Art des Filters. Neben den Klassikern, wie Bell und High-/Low- Shelf und -Cut, sind auch seltener gesehene Filtertypen, wie Notch, Bandpass und ein Tilt Shelf Filter vorhanden und anwählbar.

Um diese eher unüblichen Filtertypen kurz zu erläutern:
- ein Notch Filter entfernt je nach Einstellung die Frequenzen rund um die Center-Frequenz, schneidet also demnach ein unterschiedlich großes "Loch" in den Frequenzgang.

- ein Bandpass Filter bewirkt in etwa das Gegenteil, indem er je nach Einstellung nur die Frequenzen rund um die Center-Frequenz übrig lässt und den Rest abschneidet, also gleichzeitig einen Low- und einen Highcut bewirkt.

- ein Tilt Shelf Filter ist eine Kombination aus Low- und High-Shelf-Filtern, von denen jeweils einer mit einem Boost und einer mit einem Cut versehen ist. Die Anhebung und Absenkung finden hierbei mit proportionaler Stärke statt und die Center-Frequenz ist variabel.

Unterhalb des Wahl-Menüs für den Filtertyp lässt sich die Flankensteilheit, bzw die Güte des Filters auswählen. Die Sensation an diesem Feature ist, dass sich für jeden Filtertyp eine Flankensteilheit von bis zu 96 dB/Oktave einstellen lässt, was in der Form bisher bei noch keinem Plug-In möglich war. Rechts dieser Auswahl befinden sich Standard-Regler für die Center-Frequenz, die Stärke des Gain/Boost, sowie der Q-Faktor. Auch diese, normal anmutenden Parameter bieten hier mehr als man es üblicher Weise gewohnt ist. Bereits die Auswahl der Center-Frequenz gestaltet sich sehr vielfältig, da der übliche Bereich zwischen 20Hz und 20kHz hier weiter ausgedehnt ist und von 10Hz bis 30kHz reicht. In wie fern das für das menschliche Gehör relevant ist, überlassen wir an dieser Stelle anderen Diskussionsrunden, dass es allerdings Sound-Enthusiasten gibt, die bei einer Samplerate von einem vielfachen der 44100Hz arbeiten und auch in diesem Bereich Ihre Anpassungen vornehmen, ist schlicht und ergreifend Fakt und im Sinne des modernen Strebens nach immer höherer Qualität, schwimmt FabFilter hier definitiv auf der zeitgemäßen Welle mit. Auch im Bereich der Verstärkung mischt der ProQ 2 ganz vorne mit und bietet dem Anwender eine Skala von +/- 30dB. Das dürfte beinahe konkurrenzlos sein.

Sehr interessant wird es bei der Benutzung des Q-Faktor-Reglers. Wie wir schon feststellten, lässt sich die Flankensteilheit der Filter bereits auf der linken Seite des Menüs definieren. Die Möglichkeit, zusätzlich den Q-Faktor regeln zu können, ermöglicht dem Nutzer jetzt die Erstellung von einer Art von "Plateau Filter", also ein breit gezogener Boost/Cut, der dennoch eine sehr steile Flanke hat. Am ehesten wäre dieses Phänomen als eine Art Shelving-Bandpass zu beschreiben. Dieses Feature ist der Wahnsinn und gibt dem Engineer völlig neue Optionen, die es bisher in der Welt des EQing's nicht gegeben hat.
 

 


Ein Button zwischen Gain- und Q-Regler ermöglicht zudem die Verkettung der beiden Faktoren. Diese lässt den Filter ein wenig "analog-like" wirken, indem der Q-Faktor die Anhebung, oder Absenkung etwas schmaler werden lässt, sobald das Material stärker verzerrt wird. Sehr schön gemacht!

Auf der rechten Seite lassen sich als letzter Punkt in diesem Menü (zumindest in der stereophonen Version) beide Kanäle koppeln, oder trennen (pro Filter!!!). Je nachdem, ob man an der unteren Seite des Plug-In's die Stereo-, oder M/S-Bearbeitung gewählt hat, lassen sich also L und R, oder M und S separat bearbeiten. Um das noch mals zu erwähnen, dieses Feature ist pro Filter einstellbar. Auch das ist der Wahnsinn.

Beinahe selbstverständlich wirkt die Möglichkeit, einen eingestellten Filter zu "zerschneiden", also im Nachhinein doch nur auf einen Kanal anzuwenden, oder aber genau im Gegenteil, einen einzelnen Filter für beide Kanäle zu kombinieren.

Abgerundet wird das Filter-Menü durch die Option, den jeweils angewählten Filter auf Bypass zu setzen, ihn komplett zu entfernen, oder aber Schritt für Schritt die verwendeten Filter einzeln durchzusteppen und fein einzustellen. Warum man das brauchen sollte? Weil es mit dem ProQ 2 möglich ist, bis zu 24 Bänder innerhalb eines Plug-In's zu nutzen. Allmählich setzt Sprachlosigkeit ein. Jedes einzelne Band ist so flexibel wie in keinem sonstigen Equaliser und davon lassen sich 24 in einer Instanz des Plug-In's einsetzen. Was hier enorm praktisch ist, jeder Filter lässt sich "Solo"-hören. So kann man tatsächlich überprüfen, was man mit dem einen Filter unter 24 für einen Bereich bearbeitet. Dieses Feature begeistert vor allem in der Summenbearbeitung, da ich explizit bestimmte Frequenzbereich separiert hören und beurteilen kann und es so wesentlich leichter fällt, problematische Bereich im Mix zu identifizieren.

Während wir mit bis zu 24 Filtern also unser Signal völlig verkneten können, zeigt uns die Anfangs lineare gelbe Frequenzkurve glücklicher Weise immer, welche "Gesamtveränderung" wir unserem Signal aufzwängen. Bei dem optischen Aspekt geblieben, der ProQ 2 bietet auch einen hervorragenden Analyzer. Unter den Einstellungen unten rechts bietet das Plug-In die Funktion, sich das Frequenzbild vor der Bearbeitung, nach der Bearbeitung, sowie das Sidechain-Signal anzeigen zu lassen.




Zudem kann man verschiedene Parameter der grafischen Darstellung wählen. Hierzu gehören die Größe der Skala (120, 90, oder 60dB, die Auflösung der Grafik, die Geschwindigkeit der grafischen Veränderungen, sowie die Möglichkeit, das angezeigte Spektrum dem Hörempfinden anzupassen (als Tilt angegeben). Diese Option beruht darauf, dass das menschliche Gehör tiefere Frequenzen bei gleicher Energie als lauter wahrnimmt, als hohe Frequenzen. Ein grafisches Abbild eines gleichmäßig wirkenden Frequenzspektrums würde also wie ein Abfall der Höhen aussehen. Des Weiteren hat man in diesem Menü die Möglichkeit, die Maximalpegel einzufrieren und so sichtbar zu machen, sowie die Option dies temporär über die sogenannte "Spectrum-Grab"-Funktion zu regeln. Ist diese Aktiviert, friert das Spektrum ein, sobald man die Maus darüber bewegt und verändert sich nur noch, wenn lautere Pegel folgen.

Die ebenfalls hier befindliche EQ-Match-Funktion ermöglicht das automatische Anpassen des bearbeiteten Signals gemäß den Analysen des unbearbeiteten Signals, sowie des Sidechain-Signals. Es werden automatisch passende Bänder erstellt. Auch diese Funktion ist sehr beeindruckend und läd zum ausprobieren ein.

Rechts neben dem Analyzer-Menü befindet sich das Ausgangs-Menü. Hier gibt es erneut nützliche Features. Mittels der zwei größten Regler lässt sich hier die generelle Ausgangslautstärke, sowie das Verhältnis der beiden separaten Kanäle (L/R, oder M/S) einstellen. Ein globaler Bypass vergleicht die Bearbeitung des kompletten Plug-In's mit der unbearbeiteten Version. Es gibt die Möglichkeit, das Signal in der Phase zu drehen und eine Output-Automatik. Diese ist ebenfalls ein interessantes, selten gesehenes Feature, obwohl die Notwendigkeit auf der Hand liegt. Die Output-Automatik reguliert den Ausgangspegel, je nach Frequenzbearbeitung. Hebe ich also eine oder mehrere Frequenzen stark in Ihrer individuellen Lautstärke an, so wird der Ausgangspegel etwas abgesenkt, um das Signal in der Lautstärke nicht zu verändern. Mittlerweile neige ich zu dem Begriff "genial". 




Ein anderes Kapitel in diesem Zusammenhang sind die Einstellungen, was die Phasentreue angeht. Hier kann der Anwender zwischen "Zero Latency", "Linear Phase" in verschiedenen Stufen, sowie "Natural Phase" wählen, um zu bestimmen, wie sehr der EQ die Phasenlage des Signals verändert, um von der Charakteristik auch in Richtung eines analogen Equalizers gehen zu können, da die linearphasige Bearbeitung vielen Tontechnikern zu "steril" klingt. An dieser Stelle wollen wir auch diese Diskussion nicht schüren und belassen es bei der Information darüber, dass der ProQ 2 unterschiedliche Algorythmen dieser Art mitbringt. Hier sei jeder zum experimentieren und fachsimpeln eingeladen, ob die verschiedenen Modi eine so extreme klangliche Veränderung bewirken, dass diese ohne direkten A/B-Vergleich hörbar sind, möge ein mal dahingestellt sein.
 
Das grandiose Angebot an Funktionen wird zu guter Letzt noch durch ca. 30 mitgelieferte Presets für verschiedene Situationen komplettiert, die auch unerfahrenen Anwendern zumindest eine gute Ausgangslage für verschiedene Signale bieten (beispielsweise Vocals, Drums), wer es allerdings dabei belässt und die Möglichkeiten der Bearbeitung nicht ausreizt ist selber Schuld! 

 


Fazit

Für uns ist der ProQ 2 eine wahre Revolution in Sachen EQ-Plug-In's. Innerhalb dieses einen Plug-In's warten gleich mehrere gut durchdachte Neuerungen, die in Ihrer Anwendung absolut Sinn machen und die Tontechniker eine selbstverständliche Tätigkeit wie das Klangbearbeiten noch ein mal neu betrachten lassen und ganz neue Möglichkeiten bieten.
Der Funktionsumfang des ProQ 2 ist absolut überzeugend, während auch der Preis mit einer UVP von 149€ konkurrenzfähig ist. Unser neuer Lieblings-EQ für alle Anwendungen, bei denen es auf Präzision und saubere Bearbeitung ankommt!
 
Features
FabFilter ProQ 2
Plug-In zur Audiobearbeitung
Equaliser
Schnittstellen: AU, VST, VST3, RTAS, AAX
Betriebssysteme: MAC & PC (ab Win XP)
UVP: 149€

www.fabfilter.com