SOFTWARE

Sonnox Dynamics

Sonnox Dynamics

Audio-Plug-In

 
Die Firma Sonnox (Sony Oxford) ist spätestens seit Ihrer R3-Digitalkonsole ein bekannter Name im Audiogeschäft. Nach und nach wurden die beliebten Features der Mixing-Konsole ebenfalls auf Plug-In-Basis umgesetzt und liefern in beeindruckender Qualität die Ergebnisse, die sonst nur Besitzer der stattlichen Hardware-Variante erzielen konnten. Mit den Sonnox Dynamics ist jetzt die komplette Dynamik-Sektion des legendären Pults als Plug-In für jegliche DAW's vorhanden.

 
Features

Die Dynamiksektion umfasst alles, was es an dynamikbearbeitenden Werkzeugen gibt: Gate, Expander, Kompressor und Limiter. Zusätzlich gibt es Einstellmöglichkeiten für einen Sidechain-EQ und einen Sättigungs-Algorithmus.
Zur genaueren Analyse wird zunächst die generell Oberfläche beschrieben und anschließend werden die einzelnen Bestandteile mit Ihren Bedienelementen näher erläutert.
Das GUI des Dynamik-Plug-Ins ist sehr übersichtlich aufgebaut. In der oberen Hälfte sind sämtliche Regler vorhanden, welche man zum einstellen der jeweiligen Parameter benötigt, zudem gibt es Meter für den jeweilige Arbeitspegel des ausgewählten Elements, bspw. die Gain-Reduction. Unten links hat man die Möglichkeit zwischen den einzelnen Bestandteilen zu wählen, also die entsprechenden Parameter im oberen Bereich anzeigen zu lassen, sowie das jeweilige Element an, oder aus zu schalten. In der Mitte des unteren Teils befindet sich zudem ein Meter für das Eingangs- und Ausgangssignal, sowie auf der rechten seite eine grafische Darstellung der jeweiligen eingestellten Signal-Verlaufskurve, welche hier interessanter Weise eine Kombination aus allen Dynamikbearbeitenden Elementen darstellt.


 
Das erste anwählbare Element ist das Gate. Hier hat man die typischen Einstellmöglichkeiten Threshhold, Attack, Release, Hold und Range. Des weiteren ergänz ein Key-Input, sowie die Möglichkeit, einen 16, oder 24Bit Dither (diese Möglichkeit gibt es Element-übergreifend!) einzuschalten, die Palette.
Auf das Gate folgt der Expander. Hier finden wir ebenfalls alle Tools, die man von gewöhnlichen Expandern zur Vergrößerung der Dynamik kennt. Man kann seine Einstellungen zu Threshhold, Ratio, Attack, Hold, Release und Range treffen.

Das nun folgende Compress-Feld ist wohl das am häufigsten gebräuchliche Element des Dynamik-Plug-In's. Hier kann man neben den üblichen Einstellmöglichkeiten, wie Threshhold, Ratio, Attack, Release und Make-Up-Gain zudem eine Hold-Zeit definieren, die den Beginn der Release nach Unterschreiten des Threshholds noch um den eingestellten Wert verhindert. Über einen Druckknopf hat man zudem die Möglichkeit, das Knee, also die Härte der Bearbeitung unmittelbar ab Überschreiten des Threshhold in 4 Stufen zwischen hart und weich zu verändern. Mit "Classic", "Normal" und "Linear" lassen sich zudem 3 verschiedene Attack und Release-Varianten zwischen linearem und exponentiellem Verlauf bestimmt, die allesamt unterschiedliche Klangcharakteristiken mit sich bringen. So lässt sich bei gleichen Threshhold- und Ratio- Einstellungen unterschiedlich starke Kompression realisieren, die sehr unterschiedlich klingt und dementsprechend für unterschiedliche Zwecke eingesetzt werden kann.
Der integrierte Limiter kommt mit sehr wenigen Einstellmöglichkeiten aus. Als sehr angenehm empfinde ich, dass dieser Limiter sich auch wirklich auf die Urfunktion des Limiters besinnt und nicht mit Zusatzfunktionen á la Maximizer oder Enhancer prahlt. Einstellmöglichkeiten findet man hier zum Threshhold, die Ratio von 1:100 ist hierbei voreingestellt, sowie Attack-, Hold- und Release-Zeiten.

Die Sidechain-EQ-Sektion beinhaltet 2 semiparametrische Bell-Filter, welche per Knopfdruck zu Shelving-Filtern umgewandelt werden können. 2 zusätzliche Knöpfe entscheiden, ob der EQ auf das Signal an sich einwirken soll, oder ob lediglich der Sidechain bearbeitet wird.
Als letzten Punkt wird hier eine "Warmth"-Sektion aufgerufen, welche dem Signal eine gewisse Wärme in Form von Druck und Dichte verleiht, in etwa einem Röhrensignal. Die hierzu notwendigen Regler sind lediglich ein "Amount", sowie ein "Trim"-Regler, mit denen man die Menge der gewünschten Wärme dosieren kann.


Anwendung

Durch die vielen einfachen Einstellungsmöglichkeiten lässt das Oxford-Dynamikpaket beinahe keine Wünsche offen. Das Gate benötigt zwar einige Zeit zum einstellen, lässt sich aber perfekt an jede Form von Signal anpassen. Das Gate arbeitet sauber und quasi unhörbar. Sehr schön!
Der Expander greift ebenfalls sehr schön in das Signal ein und erhöht wirkungsvoll die Dynamik. Hierbei ist besonders hervorzuheben, dass die expandierten Signale tatsächlich einen neuen Klangcharakter erhalten, der in Richtung eines im Original leiser eingespielten Signals geht. Das ist sehr beeindruckend und definitiv der beste Expander, der mir bisher untergekommen ist.

Kommen wir nun zum Herzstück der Dynamiksektion. Der Kompressor liefert eine atemberaubende Klangneutralität! Selbst bei relativ starker Gainb-Reduction bleibt der Kompressor stets neutral und arbeitet recht subtil. Durch den zusätzlichen Hold-Regler erhält man interessante neue Möglichkeiten, sein Signal exakt nach den eigenen Vorstellungen zu bearbeiten. Die unterschiedlichen Modi ermöglichen zudem andere Klangfarben. Vor allem der "Classic"-Modus lässt mehr Färbung zu, als die anderen beiden Modi. Zudem fallen hier die Attack- und Release-Drehregler weg. Mit dem Kompressor kann man sowohl Einzel,- als auch Gruppensignale optimal bearbeiten. Hat man für die Situation den richtigen Modus ausgewählt, kann man hier beinahe nichts mehr falsch machen, so sanft greift der Kompressor ein. Auch hier kann Sonnox mit sehr dezenter Arbeitsweise überzeugen.




Der Limiter erfüllt seinen Dienst ebenfalls mit Bravour. Per Threshhold ist der Punkt der Bearbeitung festzulegen, an dem das Limiting, bzw. die Kompression im Verhältnis 1:100 stattfindet. Ab diesem Punkt werden alle Pegelspitzen gnadenlos abgesenkt. Dies passiert in Abhängigkeit der gewählten Einstellungen für Attack, Hold und Release sehr wirkungsvoll. Daher sind bei starker Bearbeitung natürlich auch klangliche Veränderungen zu bemerken. Der Limiter kann also bei Bedarf sehr hart zupacken und ist daher mit Bedacht einzusetzen.
Der Sidechain-EQ-Reiter bietet die Möglichkeit, entweder das Signal an sich, oder aber das Sidechain-Signal entsprechend zu filtern. DIe Option, den SC-Filter als EQ für das Hauptsignal zu missbrauchen, lassen wir in diesem Moment einfach mal außen vor, dafür wird in der Regel ein eigener EQ benutzt. Das Filtern des Sidechain-Signals hingegen ist äußerst sinnvoll. Hier bearbeitet man das Signal, auf das die dynamikbearbeitenden Effekte reagieren. So kann ich beispielsweise störende Nebengeräusche von meinem Trigger-Signal entfernen, welche andernfalls das Gate auslösen würden, oder auch einen übermäßigen Bassanteil weniger in die Kompression einfließen lassen. Sehr schön gelöst!
Die Warmth-Sektion ermöglich zu guter Letzt, dem Signal Obertöne hinzuzumischen und es dadurch wärmer und voller klingen zu lassen. Da hier die Bearbeitungsmöglichkeiten recht knappt ausfallen und man den Effekt nur in seiner Gesamtheit beeinflussen kann, fehlt hier ein bisschen die Detail-Arbeit und das Ergebnis klingt schnell übersättigt. Das können andere Tools besser, ist aber mit Sicherheit als Zusatzfunktion zur schnellen und groben Überarbeitung eine angemessene Ergänzung.


Lizenz

Die erforderliche Lizenz ist per eigener Internetseite schnell auf den entsprechenden iLok-Account transferiert und sofort zum Einsatz bereit.


Fazit

Die Dynamik-Zusammenstellung von Oxford weiß absolut zu überzeugen. Die Einstellmöglichkeiten von Gate bis Limiter sind treffend gewählt und ermöglichen eine effektive Kontrolle der entscheidenen Parameter und damit eine wirkungsvolle Dynamikbearbeitung. Der Klang ist ein weiteres Pro-Argument, gehen die Oxford Dynamics doch äußerst klangneutral zu Werke und tun so unauffällig wie möglich Ihren Job. Wer auf der Suche nach schwitzenden, punch-erzeugenden Vintage-Maschinen ist, ist daher hier falsch. Wer aber nach wirkungsvollen und zurückhaltenden Werkzeugen mit absolut überzeugender Dynamikkontrolle sucht, der kommt hier voll auf seine Kosten. Komplettiert wird das Ganze durch eine sinnvoll ausgestattete Sidechain-Sektion, die nochmals die Effektivität der Bearbeitung erhöht. Die Warmth-Sektion zur Sättigung des Signals bietet eine schnelle Möglichkeit, Signalen mehr Obertöne hinzuzumischen, fällt aber hier auf Grund von zu wenigen Einstellmöglichkeiten eher nicht so effektiv aus, da hier schnell eine Art "zu viel"-Gefühl auftritt. Die Basisfunktionen allerdings wissen allesamt zu überzeugen und machen die Oxford Dynamics zu einem muss für Plug-In-User.
 

Features

Sonnox Dynamics
Plug-In zur Audiobearbeitung
Gate, Expander, Kompressor, Limiter
Sidechain-Filter & Sättigungs-Sektion
Betriebssysteme: MAC & PC
(VST/AU/RTAS/AAX)
UVP: 330,-€

www.sonnox.com