Um unsere Webseite für Sie optimal zu gestalten und fortlaufend verbessern zu können, verwenden wir Cookies.
Durch die weitere Nutzung der Webseite stimmen Sie der Verwendung von Cookies zu. 
Weitere Informationen zu Cookies erhalten Sie in unserer Datenschutzerklärung

AUDIOINTERFACE

Metric Halo ULN-8

In diesem Test prüfen wir, was dieses Highend Gerät für uns Schlagzeuger im Studio- und Liveeinsatz bietet. Mit einer UVP von stolzen 5200,00 € misst sich das ULN-8 mit den stärksten Interfaces auf dem Markt: Zu den direkten Konkurrenten zählen z. B. Apogee oder das Prism Orpheus.

 

Was ist das ULN-8?
Im Grunde ist das Metric Halo ULN-8 ein achtkanaliges FireWire Interface mit 8 Vorverstärkern wahlweise für Mikrofon-, Line- oder Instrumentensignal. Die internen ADWandler stellen das Signal am FireWire Port des Macs zur Verfügung. Richtig: Nur am Mac, Windows wird aktuell nicht unterstützt. 8 Rückwege lassen sich wiederum über den DA-Wandler als Line Signal ausspielen. Darüber hinaus ist ein separater Kopfhörerausgang vorhanden. Soweit klingt das erstmal unspäktakulär. Lediglich der integrierte DSP-Prozessor lässt sich als Besonderheit verbuchen. Er ist für komplexere Routings und Effekte zuständig. Das erste Anschließen des nur 1HE großen Interfaces sorgt für Ernüchterung: Ohne Studium der Literatur geht erstmal nichts, denn das ULN-8 wird vollständig über die hauseigene MIO-Software eingerichtet und bedient. Soviel aber vorweg: Ein flexibleres und leistungsstärkeres Interface-Konzept ist uns bis dato nicht begegnet. Die
Einarbeitungszeit in die Bedienung lässt schlussendlich alle erdenklichen Konfigurationen von Aufnahme- und Ausgabewegen, Effekten, Bussen und Inserts zu, die man sich nur vorstellen kann. Kein anderes Interface auf dem Markt lässt sich so individuell auf die eigene Umgebung anpassen wie das Metric Halo ULN-8.

Das Bedienpanel
Von links nach rechts die wichtigsten Bedieneinheiten: An der Front lässt sich die Samplerate von 44,1 kHz bis 192 kHz umschalten. Läuft eine Aufnahme, ist diese Funktion zur Sicherheit festgesetzt. Ebenfalls per Direktzugriff wählbar: Die Clocksource. Wichtig für die Bedienung des ULN-8 ist das Control Mode Feld und die dazugehörigen 8 Potis. Der Control Mode legt fest, welche Funktion die Potis übernehmen. Die Auswahl ist: Monitor, Preset, Input, Channel Link, 48V Phantom Power, User Mode Ist keiner der Control Modes gewählt, lassen sich Eingangs- und Ausgangpegel direkt regeln. Die Potis sind gleichzeitig Drucktasten, sodass sich über das Frontpanel auch
einfache Routingzuweisungen z. B. für‘s Monitoring belegen lassen. Das große LED-Feld neben den Potis hat mehrere Funktionen: Es kann als Metring dienen oder, beim Regeln der Pegel, als dB-Anzeige. Dabei werden die Zahlen über die LED-Segmente angezeigt. Je nach Lichtsituation mal besser, mal wengiger gut lesbar. Die LED-Helligkeit lässt sich direkt über das Frontpanel anpassen. Neben dem Display finden wir einen separates Monitoring Poti mitsamt Dim und Mute-Funktion. Daneben wiederum ein Kopfhörerausgang über eine Stereoklinkenbuchse sowie zwei Klinkeneingänge mit der Bezeichnung „DI“. Diese Eingänge liegen parallel zu den Line Inputs 1 und 2 und sind besonders hochohmig als Instrumenteneingänge ausgelegt.

 

Die Rückseite
Auf der linken Seite steht ein 4 Pin XLR Anschluss zur Verfügung. Hier wird das mitgelieferte Netzteil oder ein Battery-Pack angeschlossen. Rückseitig sind sämtliche Einund Ausgänge auf 25 Pin D-Sub Buchsen gelegt. In professionellen Umgebungen ist das der Standard. Entweder man arbeitet mit Adapter-Peitschen von D-Sub auf XLR bzw. Klinke oder man belegt sich seine individuelle Patchbay im Rack. Physikalisch stehen am ULN-8 insgesamt 8 Mikrofoneingänge, 8 Lineeingänge sowie 8 Sends zur Verfügung. Ausgangsseitig haben wir 8 Line Ausgänge, von denen 2 zusätzlich als symmetrische Klinkenausgänge anliegen, um einen unkomplizierten Abhörweg zu schaffen. Der letzte DSub-Anschluss bietet eine digitale achtkanalige AES I/O Option. Dazu steht noch ein Wordclock In und Out zur Verfügung. Weiter rechts sehen wir die Midi In Out Buchsen sowie zwei SMTP-Buchsen - die Videoprofis werden es danken! Zu guter Letzt noch zwei FireWire 400 Port und ein 12 Volt DC Anschluss für externe Netzteile.

Die Software
Jetzt geht‘s ans Eingemachte: Das Metric Halo ULN-8 spielt all seine Trümphe aus, wenn man sich in die Software eingearbeitet hat und ein komplettes Tonstudio-Routing mit wenigen Mausclicks abrufbar hat.

MIO Console......nennt sich die Software, mit der sich das ULN-8 fernsteuern lässt. Beginnen wir mit dem integrierten Monitor Controller. Diese kompakte App ist im Prinzip aufgebaut wie ein Hardware Monitor Controller. Es wird also festgelegt, welches am ULN-8 anliegende oder von der DAW kommende Signal die Monitoringquelle sein soll. Anschließend wird festgelegt, auf welche physikalischen Ausgänge dieses Signal zum abhören geroutet werden soll. Sagen wir, an Ausgang 1 und 2 des ULN-8 haben wir unsere Main-Monitore und an Ausgang 2 und 3 ein kleines Alternativ-Paar zum gegenhören. Genau diese Zuweisung machen wir im virtuellen Monitor Controller mit wenigen Mausclicks. Nach dieser Vorkonfiguration, wählen wir nun komfortabel per Maus oder Tastatur-Shortcut Quelle und Monitorpaar aus. Dabei können sogar die Monitore im Pegel aufeinander
angeglichen werden. Mehr Komfort und Flexibilität geht nicht.


2d Mixer
Hinter diesem Namen verbirgt sich ein leistungsstarker frei konfigurierbarer Software-Mixer. Alle Optionen hier zu beschreiben erpare ich uns an dieser Stelle - nur so viel: Es ist praktisch alles möglich, was denkbar ist. Grundsätzlich stehen uns die 8 analogen Eingänge zur Verfügung. Diese jeweils als Mic-, Line- oder Instrumenten-Signal Softwareseitig wählbar. Dann haben wir natürlich die 8 analogen Ausgänge, die wir auf Monitore, weitere Kopfhörer-Preamps, Mischpulte oder auf was auch immer verkabeln. Als dritter zentraler Signalweg steht uns die FireWire-Verbindung zur Verfügung. Schicken wir aus der DAW ein Signal z.B. auf ULN-8 Ausgang 12, so liegt auch dies im 2d Mixer an. Aus diesen Zutaten lässt sich nun jede denkbare Verbindung herstellen: Busse, die DAW Rückwege mit analogen Eingangssignalen mischen, Hardware Inserts, um Outboard einzubinden - alles ist möglich. Der Mixer „wächst“ automatisch mit der Anzahl an Kanälen und Bussen, die Ihr über die Mixer-Konfiguration anlegt. Bevor man hier experimentiert, sollte eine konkrete Idee eines Routings bestehen.

 

Beispiel Drum-Setup
Beispielsweise wird über die 8 analogen Eingänge des ULN-8 aufgenommen, während ein Playback von einer DAW läuft. Wir verkabeln also zwei Bassdrum-Mikros, ein Snare-, zwei Tom-, zwei Overhead- und ein Hihat-Mikro mit den Mic-Eingängen des Interfaces. Wir wählen im 2d-Mixer alle 8 Kanäle als Mic-Inputs und aktivieren für die Overheads sowie das Hihat-Mikrofon die 48 Volt Phantomspeisung. Anschließend pegeln wir die Signale wie gewohnt. Neben diesen 8 Kanälen bauen wir uns einen Masterbus, der alle anliegenden Signale zusammenfasst und als Quelle für den Monitor-Controller anwählbar ist. Anschließend richten wir uns mehrere DAW-Rückwege ein, die wir als Playback benötigen: Zum Beispiel einen Stereo-Track für Musik und einen Mono Click-Track. Diese Prozedur geht in wenigen Clicks von statten und liefert uns erstmal einen komfortabelen Kopfhörermix, wenn wir Drumspuren recorden wollen. Aber damit nicht genug: Der im ULN-8 integrierte DSP-Prozessor bietet uns hochwertige Plugins, die direkt im Gerät hochauflösend und praktisch latenzfrei berechnet werden. Die CPU des Macs bleibt davon völlig unberührt. Zu den Effekten zählen Kompressoren, Transienten-Designer, EQs, Reverbs, ein Channel Strip, Distortion-Effekte und einiges mehr. Genial: Für jeden Kanal im 2d-Mixer lässt sich ein Direct-Out vor oder hinter den DSP-Effekten bestimmen. Somit lässt sich zum Beispiel das Bassdrum-Signal einmal völlig clean auf einen FireWire-Kanal auf die DAW spielen und einmal, praktisch parallel dazu, ein mit DSP-Effekten bearbeiteter auf einen zweiten FireWire-Kanal. Im Logic (oder Pro Tools etc.) haben wir dann beide Eingangskanäle anliegen. Gleichzeitig lassen sich über den 2d Mixer unzählig beliebige latenzfreie Submixe erstellen. Indem wir die Pre-Insert Direct Outs alle auf die FireWire-Kanäle routen, haben wir erstmal alle Mikrofonsignale unbearbeitet in der DAW anliegen - die Standardsituation zum einfachen recorden. Jetzt nutzen wir darüber hinaus die leistungsstarken DSP Effekte, erstellen Submixe und liefern anderen Musikern unabhängige, latenzfreie Mixe. Und natürlich legen wir uns diese Submixe auf den Monitor-Controller, um jeden Submix abhören zu können. Übrigens kommuniziert der 2d Mixer in höchster 32 Bit Floating Point Auflösung mit der DAW. Es  muss nicht unbedingt in einer DAW aufgenommen werden. Metric Halo liefert einen einfachen Recorder mit. Alle im 2d Mixer scharfgeschalteten Spuren erscheinen dort. Der Recorder kann dann im Prinzip nur aufnehmen, Spulen und wiedergeben - eine Art virtueller Bandmaschine. Dieses Tool ist sinnvoll, wenn maximale Stabilität gefragt ist, zum Beipspiel beim Live Recording. Da das gesamte Processing, Routing und Monitoring im DSP des ULN-8 stattfindet, kann sich der Mac entspannen. Der Recorder schreibt lediglich die Audiodaten auf die Festplatte des Macs.

Vorverstärker
Verlassen wir die Einsen und Nullen und werfen wir mal einen genaueren Blick auf die acht Mikrofonvorverstärker, die Metric Halo in den ULN-8 verbaut hat. Mit einem Signal- Rauschabstand von 130dBu und extrem geringen Verzerrungswerten machen die Preamps schon auf dem Papier klar, das sie in die Oberklasse einzuordnen sind. Der Hörtest überzeugt ohne jegliche Einschränkung: Enorme Dynamik, eine fantastische Transientenabbildung und eine Signaltiefe, die auch höchsten Ansprüchen gerecht wird. Höhen bleiben luftig und transparent, klingen nie gestresst. Ebenso der Bass: Wuchtig, definiert, authentisch. Beeindruckt hat uns auch der Instrumenteneingang. In vielen
Interfaces als „Nebenbei-Addon“ mit verbaut, tut sich beim ULN-8 ein echtes Dynamikwunder auf: Ein E-Bass direkt aufgenommen hat eine Größe und ein Fundament, das jeden bis dato gehörten Interface-DI-Weg schlägt. Ein interessantes Feature verbirgt sich hinter den Character-Presets: Mit denen können auf jedem analogen und digitalen Kanal analoge Eingangsschaltungen simuliert werden. Das findet lantenzfrei im DSP-Prozessor des ULN-8 statt. Von speziellen Eingangsübertragern bis hin zu Röhrenstufen werden heir harmonische Obertöne generiert, die das anliegende Signal in eine bestimmte Richtung bewegen: Von superclean bis zur typischen Röhrensättigung gibt es viele feine Abstufungen. Und das Ergebnis kann sich hören lassen: Es macht Spaß, für die Snare einen leichten harmonischen Klirr
vorzuwählen und die Overheads clean zu lassen. Mit wenigen Clicks wird simuliert, wofür man im Profistudio permantent zwischen verschiedenen Preamps hin und her patcht.

Die Wandler
Mit separaten Mikrofonvorverstärkern gehen wir wahlweise auf ein Apogee AD16-X, ein RME Fireface 800 und die Lineeingänge des Metric Halo ULN-8. Das Fireface ist deutlich günstiger als die anderen Kandidaten, aber weit verbreitet. Hört man den Unterschied der Preisklassen? Schlichte Antwort: Ja. Metric Halo und Apogee liefern sich ein Kopf-an-Kopf-Rennen auf allerhöchstem Niveau. Je nach Audiomaterial, lassen sich unterschiedliche Nuancen im Klang der Wandler ausmachen. Insgesamt kann man den Klang der Metric Halo Wandler als sehr feinauflösend, brilliant und direkt bezeichnen. Der Tiefbass ist in unserem Test eines der herausstechenden Merkmale des ULN-8: Die Wandler bestechen mit unbändiger Basskraft und Definition. Mulm ist diesem Wanlder fremd.

 


Fazit:
Diese eine Höheneinheit hat es in sich. Das Metric Halo ULN-8 leistet sich nicht im Ansatz die geringste Schwäche. Es glänzt Hardware-seitig mit hervorragenden Vorverstärkern und erstklassigen Referenz-Wandlern. Aber erst die Steuer-Software auf DSP-Basis macht dieses Interface zu einer Ausnahmeerscheinung. Hier waren Entwickler am Werk, die jedes nur denkbare Routing aus der Praxis kennen und nach einer möglichst komfortablen Lösung gesucht haben. Diese Optionsvielfalt geht allerdings einher mit einer längeren Einarbeitungszeit. Wer jedoch eine professionelle Lösung sucht, die auch noch in vielen Jahren State of the Art ist, der wird hier sein Stück Hardware gefunden haben. Nicht zuletzt die Stabilität des Systems zeugt von dem Anspruch, den die Entwickler an das ULN-8 haben. Das ULN-8 ist nicht billig, aber auch kaum zu toppen

UVP 5200,- €

www.mhlabs.de

www.mhlabs.com